Männlein und Weiblein auf dem Brett: Der kleine Unterschied aus Windsurf-Perspektive

Frauen bei der PWA: Arbeit an der Basis

Auch heute ist und bleibt Windsurfen eine Männerdomäne. Doch immerhin machen sich mehr und mehr Frauen einen Namen in der Szene. Im Vergleich zu früher haben die Frauen in den letzten 20 Jahren einen weiten Weg zurückgelehnt und viele behaupten sich heute sehr erfolgreich im internationalen Wettkampfzirkus. Die Pionierinnen Karin Jaggi (heute 37) und die Moreno-Zwillinge (heute 34) erlebten das seinerzeit ein wenig anders:  

 

Karin: “Als ich angefangen habe, waren die Damenfelder immer voll – d.h. immer 32 Frauen am Start. Dann wurde es finanziell schwieriger auf Tour zu überleben – und als erstes mussten die Mädels daran glauben. Sie verloren ihre Sponsoren und somit auch die Lust in dieser Männerdomäne zu überleben. Unterdessen geht es den Jungs finanziell genau so schlecht und somit gleicht sich die Bewegung wieder etwas aus.

 

Wer heute auf Tour ist, macht es ganz bestimmt nicht fürs Geld – sondern weil Windsurfen sein Leben ist – und die PWA Worldtour sein Kindheitstraum. (...) Ich habe wohl so lange auf der Tour überlebt, weil ich ein wirklicher Wettkampftyp bin. Und weil ich so viele gute Freunde im Windsurfen gefunden habe.

 

Ich würde jungen Frauen, die eine professionelle Karriere in Betracht ziehen, raten, es einfach zu versuchen. Es stimmt, dass das Profileben ein „Überlebenskampf“ ist – aber wo ist das heute nicht so? Man muss sich sein eigenes 1-Frau-Unternehmen schaffen und dazu bracht es Willen und Ausdauer.”

 

Daida: „Als wir anfingen, bei den PWA Touren mitzufahren, hatten die meisten Sportlerinnen aufgegeben (Jutta Müller, Nathalie Levrie, Britt Dunkerbeck, Kelly Moore, Jane Seaman…). Doch wir wollten nicht klein beigeben und fingen an der Basis an, versuchten, mehr Mädels ins Boot zu holen. Gleichzeitig trainierten wir mit den Jungs und haben die Standards für die Frauen erhöht. Das war am Anfang sehr schwer, die meisten Jungs waren eifersüchtig, sie mussten ja auch Preisgelder mit uns teilen... Viele Regeln mussten für uns abgeändert werden, um mehr Frauen auf Tour zuzulassen.

 

Iballa fügt hinzu: „Es ist schwer, wenn man motiviert in einen Sport einsteigt und zusehen muss, wie die Hauptakteure ihn wieder verlassen... Ich glaube, dass wir Frauen noch heute für unsere Rechte kämpfen müssen, während die Männer versuchen, die Tour für alle Fahrer zu verbessern... Es ist noch immer nicht einfach und es muss noch viel getan werden, um den Sport weiterzuentwickeln, nicht nur im sondern auch außerhalb des Wassers.“

 

Man gegen Frau – wer windsurft besser?

Der Geschwindigkeitsrekord, die höchsten Sprünge... gehen aufs Konto von Männern. Die furchtlosesten Wavesurfer... auch Männer. Können Frauen da überhaupt mithalten?

 

“Frauen surfen einfach anders”, erklärt …. Sie ist Redakteurin bei Free, Europas größten Wasserfunsport-Magazin. “ Schließlich haben wir von Natur aus meist gar nicht so viel Kraft wie unsere Kollegen am Strand. Aber genau das ist ein Problem. Häufig fängt dieser kleine Unterschied schon beim Aufriggen am Strand an. Es ist wirklich arschschwer (...)“

 

Dies hat sich ihrer Meinung nach erst in den letzten Jahren durch neues Material verändert. Viele Frauen erinnern sich jedoch genau an diese Episoden, wenn sie ans Windsurfen denken – wie schwer es war, aufzuriggen, wie schwer es war, das Board und Segel ins Wasser zu tragen und wie schwer sich das Segel aus dem Wasser ziehen ließ. Aus diesem Grund gibt es (noch immer) nicht viele Frauen, die das Windsurfen ernsthaft als Wettkampfsport in Betracht ziehen würden.

 

Sie rät also, neues Material auszuprobieren: „Je besser das Material, umso schneller werden wir lernen!“ Weiters glaubt sie, dass ein Umdenken in den Medien dringend vonnöten ist: „Auch bei uns werden Frauenstorys abgedruckt, wenn die Ladys auf den Bildern gut rüberkommen. Die Action ist da zweitrangig und wenn sie noch so gut surft.“ Für die Action-Shots würden die Männer herangezogen – dabei spräche doch nichts gegen eine Steffi Wahl in der Welle!

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