Team Schweiz – Alpenland mit Weltklassesurfern!

Zwar hat die Schweiz, mitten in den Alpen gelegen, im Gegensatz zu anderen wichtigen Windsurf-Nationen, keinen eigenen Meerzugang. Umso mehr überrascht daher, mit welch hochkarätigen Athleten das kleine Land aufwarten kann.


Die Windsurfsaison 2008 begann im März mit dem ersten PWA Wave Event auf den Kapverden und wurde mit Freestyle auf Welt-Niveau am österreichischen Neusiedlersee fortgesetzt. Auf dieser hohen Könnensstufe sind zwar nur wenige Schweizer vertreten, dafür mischen diese aber ganz oben mit.


So Karin Jaggi zum Beispiel, vielfache Weltmeisterin in den diversen Sparten des Windsurfens und ungeschlagene schnellste Windsurferin; ihr Partner Patrick Diethelm, Speedweltmeister auf Serienboards und Board-Designer der Traditions-Marke F2. Hinzu kommt die Newcomerin Laure Treboux vom Genfersee in der Disziplin Freestyle. Daniel Aeberli, Baptiste Beer und Pete Scheuble beteiligen sich ebenfalls zuweilen an internationalen Wettkämpfen.


Aller Augen werden aber im August auf Peking gerichtet sein, wo Richard Stauffacher die Schweizer Farben bei den Olympischen Spielen vertritt. Er war schon in Athen auf dem damaligen Olympia Material Mistral One Design dabei und hat mit dem neuen RS:X Equipment bereits die Qualifikation für die Spiele 2008 mit beachtlichen Resultaten geschafft.


Natürlich schmücken wir uns auch mit der neusten Schweizer Segelnummer, der SUI-11, die seit letztem Jahr dem 35-fache Weltmeister Björn Dunkerbeck gehört. Dieser ist von der spanischen Kanareninsel Gran Canaria an den Schweizer Silvaplanasee bei St. Moritz gezogen und startet seit dem nicht mehr unter spanischer, sondern unter eidgenössischer, Schweizer Flagge.


Die von der einheimischen Windsurfszene aber als beinahe wichtiger angesehenen Wettkämpfe laufen eine Etage tiefer, auf nationalem Niveau, wo die bereits genannten Fahrer nicht selten auch dabei sind. Ihre Wettkampfreviere während der Regattasaison, dem TCS Cup und der darin eingebundenen Schweizer Meisterschaft, wollen wir im Folgenden zusammen mit den besten Fahrern vorstellen.


Windsurfen in der Schweiz – „Regattieren“ auf dem Alpensee

Wie viele Windsurfer es in der Schweiz gibt, kann wohl niemand genau sagen. Dass die Regattaszene mit etwa 120 TeilnehmerInnen im Vergleich zu den Hobbysurfern recht klein ist, darf aber als sicher gelten. Und trotzdem ist der TCS Cup mit den drei Disziplinen Race, Slalom und Freestyle eine beeindruckende Eventserie für ein solch kleines Land, bei der im Vergleich etwa zum Deutschen Windsurf Cup (DWC), der mit Rahmenprogramm und großen Partys aufwarten kann, vor allen Dingen der sportliche Wettkampf im Mittelpunkt steht.


Eine vergleichbare Großveranstaltung bietet jedes Jahr der „Engadinwind“, der auf dem berühmten Silvaplanasee ausgetragen wird. 2007 fand hier bereits der 30. Surfmarathon statt und schon mehrmals war die gesamte Weltelite des Windsurfens hier vertreten. Als fest etablierte Großveranstaltung im internationalen Windsurfkalender wurde der Engadinwind schon als Tourstopp der European Freestyle Pro Tour und auch der PWA World Tour in die wichtigsten internationalen Wettkampfserien integriert. 2006 wurden hier gar die Serienboardweltmeister der IFCA ermittelt.


Windsurfen kann man in der Schweiz aber nicht nur auf dem Silvaplanasee, auch wenn dieser weit über die Grenzen hinweg für seinen zuverlässigen Thermikwind „Maloja“ bekannt ist. Gute Windverhältnisse findet man auch an anderen Gewässern. So zum Beispiel am Urnersee, einem Teil des Vierwaldstädter Sees, wo es besonders bei Föhn zu sturmähnlichem Wind bei schönstem Wetter kommt.


Auch der Walensee am Fuße der Flumser Berge bietet eine gute Thermik, zudem liegt im Wallis ein kleiner Baggersee bei Martigny, der allerdings sehr böigen Wind auf kleiner Fläche beschert und so eher für Freestyler geeignet ist.


Windsurfer findet man zudem bei Tiefdruckfronten oder bei Bise (Nordwind) auf fast allen Gewässern, vom Genfersee bis zum Bodensee. Auch an diesen Mittellandseen, die nicht durch ihre gebirgige Topographie mit lokalen Thermikwindsystemen aufwarten können, werden Formula- und Slalomregatten ausgetragen, die zum TCS Cup oder zur internationalen Bodenseemeisterschaft zählen (Murten, Yverdon, Steckborn). Zudem macht der TCS Cup auch vor der italienischen Grenze nicht halt. So findet auch am grenznahen Lago di Como eine Regatta statt.


Die Besten der Schweiz
Nebst den bereits genannten Surfern sind bei den nationalen Regatten einige Elitefahrer anzutreffen, die ebenfalls international eine gute Figur machen. Valentin Zwygart aus Neuenburg ist amtierender internationaler Schweizermeister und kämpft meist erfolgreich gegen die starken Süddeutschen Basti Kördel und Florian Bandel, die die Schweizer Regattaszene schon länger den langen Reisen zum DWC im hohen Norden vorziehen.


Nur wenn Daniel Aeberli mit von der Partie ist, wird es enger für die drei. Kommt Doppelbürger Patrick Diethelm, geborener Schweizer, der aber mit der Segelnummer ITA-20 für Italien startet, auch noch hinzu, dann sieht es wiederum anders aus.


Auch Richard Stauffacher, der Schweizer Olympionike, macht nicht nur auf dem Olympia Material eine gute Figur, sondern ist auf Formula- und Slalombrettern ganz vorne mit dabei, hat aber wegen der Olympiavorbereitung schon länger nicht mehr die Zeit gefunden, an nationalen Regatten teilzunehmen. Seine Schwester Franziska ist aber eine würdige Vertretung, und sie macht ihrer ärgsten Konkurrentin, der erfahrenen Carmen Imhof, schon starke Konkurrenz.


Nachwuchsförderung unter Eidgenossen
Dass neben den Elitefahrern auch Surfer fortgeschrittener Altersklassen teilnehmen und diese, wie etwa Kurt Imhof, Mario Ballabio und Urs Rohr, erstaunlich stark mit den wesentlich jüngeren Surfern mithalten können, gehört einfach zum Schweizer Regattabetrieb dazu. Vor allem wichtig sind aber die Nachwuchsfahrer. In die Kids und Junioren, die seit der Gründung des SWYT (Swiss Windsurfing Youth Team) vor zwei Jahren besondere Förderung und Trainings geniessen, wird viel Hoffnung gesetzt. Bis zu 24 Jugendliche zählt dieses Team, und das ist bei einer kleinen Sportart in einem kleinen Land fern ab von jedem Ozean schon beachtlich.

Slalom und Freestyle
Slalom hat, seitdem die Profis der PWA vom Formula-Rennen auf Slalomregatten umgestiegen sind, auch in der Schweiz stark an Bedeutung zugenommen. Auch hier ist diese Disziplin immer wichtiger geworden, da auf das besondere große Material der Formula-Klasse verzichtet werden kann, und speziell die Jugendlichen nun mit weniger Investition in Equipment auskommen. Man möchte aber auch bei den Jungendlichen das Interesse am breiten Formulabrett wecken, da wegen der oftmals schwachen Windverhältnisse in der Schweiz mit diesem Material die besten Chancen für häufiges "Regattieren" gegeben sind.


Oft reicht jedoch der Wind auf den Schweizer Binnengewässern nur gerade für die größten Segel. Dann wird die Regattastrecke den Kids überlassen, die bei wenig Wind dennoch Läufe für die Jahreswertung ausfahren können. Die übrigen Slalomspezialisten führen in solchen Fällen dann Fun-Rennen ohne ordentliche Wertung durch. Und das ist das Geheimnis der Schweizer Windsurf-Regattaszene: Der Spaß steht im Vordergrund. 2008 konnten allerdings schon bei drei von vier Regatten ordentliche Slalomrennen gefahren werden und erstmals findet in diesem Jahrtausend eine Schweizermeisterschaft auch im Slalom statt.


Freestyle hat in den letzten Jahren etwas an Teilnehmern verloren, und es kämpfen nur noch etwa 10-12 Jungs um den Jahressieg. Vor Jahren waren es noch bis zu 26, und es gab sogar regelmässig eine komplette Damenkonkurrenz, an der übrigens auch Laure Treboux teilgenommen und gesiegt hat. Baptiste Beer und Pete Scheuble sind zurzeit die besten Freestyler und haben sich 2007 den Sieg im TCS Cup geteilt.


Speziell beim Freestyle in der Schweiz ist der variable Austragungsort eines Wettkampfes, der erst am Freitag vor dem Wettkampfwochenende von Regattaleiter Peter Aeberli nach Konsultation der Wind- und Wetterprognosen bekannt gegeben wird. Dann heisst es für alle Athleten aufzubrechen, sei es nach Flüelen an den Urnersee, Steckborn am Bodensee, St. Blaise am Neuenburgersee, Silvaplana – oder eben gar nicht – wenn nirgendwo Wind zu erwarten ist.


Auch im Freestyle wird nichtsdestotrotz der Nachwuchs gefördert: Workshops für Jugendliche finden dieses Jahr in Martigny und Flüelen statt und es sind diese erfreulichen Anstrengungen zur Jugendförderung bei SWYT und Freestyle, die sie Eidgenossen für die Zukunft des wettkampfmässigen Windsurfens in der Schweiz zuversichtlich stimmen.


Kleines Land mit viel Potenzial
Trotz der zuweilen widrigen Bedingungen hat sich in der Schweiz neben all den Freizeitsurfern eine florierende Regattaszene etabliert. Mit drei Weltmeistern: Dunkerbeck, Jaggi und Diethelm (wenn man diesen als Schweizer zählt) und einer aufstrebenden Newcomerin Treboux mit besten Chancen die Weltspitze im Freestyle aufzumischen, hat die Schweiz ein beeindruckendes internationales Team zu bieten. Hinzu kommen Talente wie Daniel Aeberli, Richard Stauffacher auf dem Olympia Material und eine heranreifende Generation von Nachwuchsfahrern, die auch in Zukunft nicht nur die Schweizer Seen bevölkern, sondern auch in der internationalen Windsurfszene mitmischen werden.

Links
Schweizer Windsurfing Verband
Schweizer Windsurfing Plattform soulrider.com
Portrait von Björn Dunkerbeck

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