Die spanische Windsurf Armada

Jedes Jahr strömen tausende Wassersport-Fans aus aller Welt an die spanischen Strände, um zu surfen, die zuverlässigen Windbedingungen und das warme Klima zu genießen. Spanien ist darüber hinaus das Land, in dem die meisten Windsurf World Cups ausgetragen werden. Daher ist es keine Überraschung, dass das spanische Windsurf Nationalteam eine starke Konkurrenz darstellt.   


Unzählige Strände und Surfspots
Angrenzend an den Atlantik im Norden und an das Mittelmeer im Süden bietet das spanische Festland als größter Teil der iberischen Halbinsel mehr als 3150km Küste. Nimmt man die Inselgruppen der Balearen und der Kanaren dazu, so steigt die Zahl der Strände ins schier Unendliche.  


Die Atlantikküste, vor allem die Region Galizien im Nordwesten Spaniens, bietet Windsurfern Bedingungen, die sich mit denen in der Bretagne vergleichen lassen. Zahlreiche Tiefdruckgebiete mit viel Wind und hohe Atlantikwellen im Winter, Thermikwinde und gute Surfbedingungen im Sommer machen diese Region zur abwechslungsreichen Location für Windsurfer.


Die Mittelmeerküste, speziell die Costa Brava, 100km nördlich von Barcelona, gilt als herausragende Region für Wassersport. Der Mistral und der Tramontana Wind können hier das ganze Jahr über blasen und Thermikwinde sorgen im Sommer zusätzlich für die nötige Belüftung.

 

Berühmt für seine kulturellen Highlights, seine schöne Landschaft und seine traumhaften Strände in Stadtnähe, bietet Barcelona nicht nur Weltklasse Fussball im berühmten “Camp Nou” Stadium, sondern auch ein aufregendes Nachtleben. Barcelona ist die zweitgrößte Stadt Spaniens und viele Windsurfer leben in dieser Region. Als Konsequenz daraus hat sich hier eine dynamische Surfszene entwickelt.  


In Murcia bietet das Mar Menor ideale Bedingungen für Einsteiger und Fortgeschrittene. Hier findet man angenehm schwachen Wind und viele Surfcenter und -schulen. Der Haupt-Windsurfspot der berühmten Costa del Sol ist Almeria, wo Spaniens bester Waverider, Victor Fernandez, zu Hause ist. Wenn dort der Westwind richtig bläßt kann man in Almerimar atemberaubend hohe Sprünge bewundern.


Tarifa, das an der süd-westlichsten Ecke des spanischen Festlandes liegt, ist wegen seiner herausragenden Windstatistik bekannt als das "Windmekka Europas”. Zwei gegenläufigen Winde sind das wertvollste Kapital dieser Region: der Levante aus Osten – sehr stark und beständig – und der Poniente – ein Westwind, der gewöhnlich gute Bedingungen für Wellensurfer mit sich bringt.

 

Das Klima ist  mit gemäßigten Temperaturen auch im Winter sehr angenehm, und die riesigen Strände sind groß genug, um tausende Windsurfer aus Europa und dem Rest der Welt zu empfangen. Eine Vielzahl an Speed- und Freestyle-Events fanden in dieser “High Wind Area” schon statt, die heute ein fester Stopp im Tourkalender der European Freestyle Pro Tour ist.   


Auf den Balearen ist der Wind zwar nicht so konstant und stark wie in Tarifa, das angenehme mediterrane Klima, sowie die traumhaften Strände und zahlreichen Touristenattraktionen machen diese Region aber dennoch zum perfekten Ort, um Windsurfen zu lernen.   


Das Hawaii Europas
Die Kanarischen Inseln sind bekannt als das europäische Gegenstück zu Hawaii, wenn es um Surfen und Windsurfen geht: perfekte Wellen und beinahe das ganze Jahr über Passatwinde. PWA World Cup Events werden jedes Jahr auf drei der sieben Inseln ausgetragen: Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote (und eventuell kommt dieses Jahr ein neuer Event auf Teneriffa dazu). Um es kurz zu machen: Diese Inseln sind ein Windsurfparadies!  

 
Beginnen wir mit einem der bekanntesten Orte in der Geschichte des Windsurfens: Pozo Izquierdo auf Gran Canaria. Durch den extrem starken Wind, der von April bis August hier beinahe täglich bläst, bietet Pozo Izquierdo optimale Bedingungen für hohe Sprünge, um nicht zu sagen beinahe schon Flüge. Dieser kleine Ort brachte einige Windsurf Champions hervor, unter ihnen Björn Dunkerbeck und die Moreno Zwillinge.

 

Eine weitere klassische Anlaufstelle im Sommer ist das kleine Fischernest Vargas, ebenfalls auf Gran Canaria. Hier findet man eine große Bucht mit schöner Brandung, die sich auf einer Sandbank bricht. Aber Gran Canaria hat weit mehr zu bieten als nur geballte Windkraft im Sommer. Im Winter ermöglichen Tiefdruckgebiete aus Westen unvergessliche Surfsessions in den Revieren an der Nordküste – San Andrés und Galdar – oder im Süden der Insel – von Bahia Feliz bis Maspalomas.

 
Auf Teneriffa stellt der kleine Ort El Médano ein nettes Ziel für Windsurfer dar. Für Freestyler und Anfänger ist die Bucht der Stadt mit einem schönen Sandstrand optimal, und die Wellenverrückten vergnügen sich in den stürmischen Fluten von El Cabezo und El Muelle. Im Winter ist der beste Ort zum surfen die Brandung bei Fitenia in Las Americas mit ihrem heimtückisch schwankenden Landungssteg, der auf deine Ausrüstung nur wartet, sobald du einen Fehler machst. Noch mehr Spots gefällig? Der Deutsche Daniel Bruch, der hier lebt, wurde bei heldenhaften Wellenritten an der Nordküste der Insel beobachtet, bei schwachem Wind zwar, dafür aber gigantischen Wellen – bis zu zweimal so hoch wie der Mast – also eindeutig nichts für Anfänger und Amateure.  

       
Auf Fuerteventura sind die einzigartigen Strände von Jandía im Süden der Insel perfekt für Freestyle und Speedsailing. Die Nordküste ist vor allem bekannt für das Wellenreiten. Einige der besten Brandungsspots Europas sind hier zu finden: Majanicho, Lobos, Cotillo... Die Menschen, die hier leben, widmen ihr Leben dem Surf- und Windsurfsport, und das Checken der Buchten auf der Suche nach den besten Wellen ist ihr Lebensinhalt. Wenn eine Insel den Namen “Maui Europas” verdient hat, dann ist es mit Sicherheit Fuerteventura.


Die angrenzende Insel Lanzarote bietet mit ihren weltklasse Brandungen ebenfalls eine interessante Vielfalt an Windsurf-Spots. Costa Teguise – Las Cucharras – ist ein perfekter Ort für entspanntes Cruisen – flaches Wasser innerhalb der Bucht und kleine Wellen weiter draußen – sowie klares Wasser zum Schwimmen. Während dessen testen die experimentierfreudigen Waverider ihre Grenzen in den Wellen von Jameos del Agua – die sich an scharfkantigen Lavafelsen brechen – oder in den Wellen des malerischen Famara’s Beach. 

 
Der Fall Dunkerbeck
Solche beständigen Bedingungen für Windsurfer, besonders auf den Kanarischen Inseln, brachten zwangsläufig eine ganze Reihe an Weltmeistern hervor. Zuallererst: Björn Dunkerbeck, der erfolgreichste Profisportler aller Zeiten. Allein 35 Weltmeistertitel erstritt er unter Spanischer Flagge. Vor kurzem zog er aber von Gran Canaria in die Schweiz – und änderte dabei seine legendäre Segelnummer E-11 in SUI-11, nach mehr als 20 Jahren des Erfolgs. Man kann sagen, dass Björn definitiv ein wertvoller “externer Berater” des spanischen Teams ist. Im Gegensatz zu Björn, der Weltmesitertitel in beinahe jeder einzelnen Windsurf-Disziplin gewonnen hat, hat sich der Rest des Teams vor allem auf das Waveriding spezialisiert.


Frauenpower

Ebenfalls Weltmeister aus Pozo Izquierdo sind die Zwillinge Daida und Iballa Moreno. Sie haben in ihrer bisherigen Laufbahn zusammen bereits 17 Weltmeistertitel gewonnen und sind somit die erfolgreichsten weiblichen Windsurfer aller Zeiten. In ihrer Spezialdisziplin – Waves – haben sie das Niveau bei den Damen auf ein völlig neues Level gehoben, und nur die wenigsten Männer würden gerne gegen sie antreten müssen. Sie widmen ihr Leben komplett dem Windsurfen. Jedes Jahr organisieren sie zum Beispiel ein Trainingscamp nur für Frauen, um ihre Erfahrung weiterzugeben und mehr Mädels für den Sport zu begeistern.


Es ist bemerkenswert, aber das spanische Team tritt in den Disziplinen Waves und Freestyle vermutlich mit den meisten Frauen überhaupt an. Nayra Alonso aus Vargas, Gran Canaria ist eine der fünf besten Wave-Windsurferinnen der Welt. In dieser Rangliste der besten fünf könnte noch ein weiterer spanischer Name am Ende dieser Saison auftreten: Silvia Alba aus Tarifa.


Die Jungen Wilden
Die jungen Wilden des Teams lassen sich in eine Reihe mit den vielversprechendsten Waveridern der Welt stellen. Im Alter von 24 Jahren erreichte Victor Fernandez Lopez 2007 den zweiten Platz der PWA Wave Rangliste, indem er zwei Events von vier gewann! Er trainiert momentan in seiner Heimatstadt Almerimar, um sich für die neue Saison fit zu machen. Ein weiterer Champion vom spanischen Festland ist Alex Mussolini aus Barcelona. Nach ein paar Jahren Training in Maui entwickelte er seinen eigenen Stil und erlangte international Anerkennung als Wellensurfer.

 

Der Rest des Teams stammt wiederum von den Kanarischen Inseln: Jonas Ceballos – gehört mit seinen extrem hohen Sprüngen zu den Besten der Welt – und sein jüngerer Bruder Eleazar Alonso Sanchez aus Pozo Izquierdo, sowie Daniel Bruch, ein talentierter Deutscher Windsurfer aus Teneriffa, der für Spanien startet, und schließlich der jüngste im Team, Philip Köster, 14 Jahre alt, (auch aus Deutschland stammend) aus Vargas, Gran Canaria, der mit seinen jungen Jahren bereits die schwierigsten Tricks meistert.       


Die Avantgarde des Windurfens
Nun fehlen noch die erfahrensten Mitglieder des Teams. Beginnen wir mit Marcos Pérez. Nach mehr als 10 Jahren auf der Welttour tritt er jetzt nur noch zu Hause auf Gran Canaria zu Wettkämpfen an – ein ernsthafter Gegner beim Pozo PWA Event ist er zweifelsohne nach wie vor. Marcos ist darüber hinaus sehr aktiv in der lokalen Surfszene, organisiert beispielsweise einen Wettbewerb in Vargas im August und hilft den einheimischen jungen Wilden an Wettkämpfen teilzunehmen und ihr Können zu verbessern.

 

Ein weiterer talentierter Waverider aus Gran Canaria ist Dario Ojeda, der zweitbeste spanische Teilnehmer beim Pozo Izquierdo PWA Event 2007. Um dieser Liste an Weltklassesurfern ein Ende zu setzen, dürfen wir die Brüder Jensen nicht vergessen. Auch wenn Vidar unter norwegischer Flagge surft, kämpft sein Bruder Orjan mit der Nummer E-19 für das spanische Team. Sie sind beide all-round Wavesailor, gefürchtete Gegner und fähig, die verrücktesten "Double Front Loops" in Pozo Izquierdo zu vollbringen.  


Die Olympische Surfklasse RS:X

Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür, und Spanien wird dabei von zwei Weltmeistern vertreten, Ivan Pastor Lafuente aus Alicante und Marina Alabau aus Sevilla. Sie begannen beide ihre Karriere mit der damals Olympischen Ausrüstung, dem Mistral One-Design (Ivan vertrat Spanien bereits 2004 in Athen), und sie sind beide sehr erfolgreich mit dem neuen One Design Equipment, dem RS:X. Marina Alabau bewies erst vor kurzem ihre Überlegenheit, indem sie bei der Europameisterschaft in Brest, Frankreich, den ersten Platz belegte. Es gibt keinen Zweifel daran, dass beide in Peking um die vordersten Plätze kämpfen werden.


Die spanische Armada
Das spanische Nationalteam hat alles zu bieten, was eine starke Mannschaft braucht. Legenden, erfahrene Surfer, junge Wilde, Powerfrauen, perfekte Windsurfbedingungen zum trainieren und zahlreiche Profievents, um so früh wie möglich mit den Wettkämpfen auf der World Tour zu beginnen. Kein Wunder, dass das spanische Nationalteam nicht nur eines der größten der Welt ist, sondern auch eines der erfolgreichsten – eine wahre spanische Armada des Windsurfens!  


Die größten Titel der Spanier im Wettkampf
Gegen Ende der 80er und während der gesamten 90er Jahre wurde die professionelle Windsurf Szene von Björn Dunkerbeck dominiert, der 35 Weltmeistertitel unter spanischer Flagge gewann. Seit dem Jahr 2000 setzen die Zwillinge Daida und Iballa Moreno die spanische Führung fort...und angesichts des Potentials der spanischen jungen Wilden könnte diese Dominanz noch eine Zeit lang andauern!


2008: Marina Alabau, momentan Nº1 ranking ISAF RS:X class
2007: Daida Ruano Moreno, PWA Freestyle Weltmeisterin
2007: Iballa Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
2007: Ivan Pastor Lafuente, Nº1 ranking ISAF RS:X class (Mai bis Juni)
2006: Iballa Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
2006: Daida Ruano Moreno, PWA SuperX Weltmeisterin
2006: Daida Ruano Moreno, PWA Freestyle Weltmeisterin
2005: Björn Dunkerbeck, ISA Speed Weltmeister
2005: Daida Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
2005: Daida Ruano Moreno, PWA Freestyle Weltmeisterin
2004: Daida Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
2004: Daida Ruano Moreno, PWA Freestyle Weltmeisterin
2003: Daida Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
2003: Daida Ruano Moreno, PWA Freestyle Weltmeisterin
2002: Daida Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
2001: Björn Dunkerbeck, PWA Wave Weltmeister
2001: Daida Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
2000: Daida Ruano Moreno, PWA Gesamtweltmeisterin
2000: Daida Ruano Moreno, PWA Wave Weltmeisterin
1999: Björn Dunkerbeck, PWA Wave Weltmeister
1999: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1999: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1999: Marina Alabau, Junior Weltmeisterin Mistral class
1998: Björn Dunkerbeck, PWA Freestyle Weltmeister
1998: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1998: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1998: Daniel Bruch, Junior Wave Weltmeister production board
1998: Marcos Peres Hidalgo, Wave Weltmeister production board
1997: Björn Dunkerbeck, PWA Gesamtweltmeister
1997: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1996: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1996: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1995: Björn Dunkerbeck, PWA Wave Weltmeister
1995: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1995: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1994: Björn Dunkerbeck, Speed Weltmeister
1994: Björn Dunkerbeck, PWA Wave Weltmeister
1994: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1994: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1993: Björn Dunkerbeck, PWA Wave Weltmeister
1993: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1993: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1992: Björn Dunkerbeck, PWA Wave Weltmeister
1992: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1992: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1991: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1991: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1990: Björn Dunkerbeck, PWA Wave Weltmeister
1990: Björn Dunkerbeck, PWA Overall Weltmeister
1990: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1989: Björn Dunkerbeck, PWA Gesamtweltmeister
1989: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister
1988: Björn Dunkerbeck, PWA Gesamtweltmeister
1988: Björn Dunkerbeck, PWA Race Weltmeister


Links

Die Windsurfer:

http://www.dunkerbeck.com/

http://www.morenotwins.com/

http://www.jonasceballos.com/

http://www.philip-koester.de/

http://www.marinalabau.com/

http://www.ivanpastor.com

http://www.darioojeda.com/

http://www.nayrae4.com/

http://www.victore42.com/

http://www.eleazaralonso.com/

Portraits:

Björn Dunkerbeck
Die Moreno Twins

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