

"Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome, Land der Hämmer, zukunftsreich!" wird es während der Europameisterschaft verstärkt aus den österreichischen Fußballstadien schallen. Die ersten Zeilen der Bundeshymne verweisen auf die Äcker, wo der heiß geliebte Nationalsport in seiner reinsten Form ausgeübt werden kann. Und während der kalten Winterzeit tauschen wir den Ball gegen die "Bretteln" und rasen auf weißem Gefrorenem die Berge talwärts oder bejubeln unsere Skistars, wenn sie mit Spitzenzeiten über die Ziellinie breschen.
Österreich ist eben kein Land am Meere, bestenfalls am Strome. Aber immerhin weist die Landkarte des mitteleuropäischen Binnenstaates die eine oder andere bedeutende Wasserflächen auf. Und diese reichen offensichtlich aus, um einen Olympiasieger in der Sportart Windsurfen hervorzubringen. Das Nationalteam für die Fußball EM steht bereits fest. Ein mögliches "Windsurfnationalteam" gab es bisher noch nicht. Aber jetzt ist ein guter Zeitpunkt, ein solches samt seinem Betreuerstab einmal kurz anzudenken.
Der Trainerstab
Allen voran steht der goldene Sydney Windsurfer Christoph Sieber, der als erster und einziger Österreicher Olympiagold holte. Windsurfen wurde 1984 als neue olympische Disziplin aufgenommen. 16 Jahre später schaffte Sieber die Sensation und gewann in der Mistral Einheitsklasse Olympiagold. 2004 wechselte er in die 49 Segelklasse, verpasste die Olympiaqualifikation nur knapp. Vielleicht sollte der heute 37 jährige Welser (Oberösterreich) wieder in die Windsurfklasse wechseln und ein Windsurfnationalteam als Spielertrainer organisieren. Sieber arbeitet seit Jahren als Motivations- und Mentaltrainer.
Als weitere klingende Namen und beinahe Legenden im österreichischen Windsurfsport gelten Mike Pucher, Bernie Brandstätter, Thomas Miklautsch und Mike Eskimo. Der Wiener Mike Pucher hält seit 1993 den österreichischen 500 m Rekord im Speedsurfen mit 42,78 Knoten und trägt zu Recht den Namen "Power Mike". Mittlerweile hat er das Windsurfboard gegen das Kiteboard eingetauscht. Bernie Brandstätter kämpfte im professionellen Worldcupgeschehen um vordere Plätze.
Der Kärntner Thomas Miklautsch gewann zahlreiche Staatsmeisterschaften und unzählige Preise bei Filmfestivals mit seinen Windsurf Filmdokumentation. Er windsurfte dafür in der Antarktis, vor herab brechenden Eismassen in Alaska oder stellte auf den Hochlandseen von Bolivien einen Weltrekord im Höhenwindsurfen auf. Red Bull stand ihm dabei als Sponsor stets zur Seite. Aktuell ist ein neues Projekt in Planung.
An oberster Stelle aller österreichischen Windsurfer steht der Wiener Michael Ribolitz, der unter seinem Künstlersynonym "Mike Eskimo" auf Maui / Hawaii Geschichte schrieb. Seine Großmutter zahlte ihm ein Flugticket ins Paradies und Ribolitz erarbeitete sich als radikaler Actionwindsurfer und Modedesigner für das in den 80iger Jahren aufstrebende Modelabel Windsurfing Chiemsee einen Namen. Eskimo bereiste die gesamte Welt, windsurfte mit schwimmenden Elefanten oder während sich brennend heiße Lava in den Pazifik ergoss.
Erst vor einigen Jahren schaffte ein weiterer Wiener den Sprung ins Mekka des Windsurfens. Michi "Mickey" Schweiger, ehemaliger Freestyle Weltcupwindsurfer und Windsurflehrer, stieg als Chefproduktentwickler bei der Marke Naish ein. Als rechte Hand von Robby Naish entscheidet der heute 38 jährige über "Sein und nicht Sein" sämtlicher Produkte der Naish Linie.
Der Trainerstab und die Crew für ein Österreichisches Nationalteam wäre somit ausgewählt. Nun zu den Akteuren, die derzeit an nationalen oder internationalen Wettkämpfen teilnehmen oder sich durch sonstige Aktionen besonders hervortun und sich für eine Einberufung in ein inoffizielles Windsurfnationalteam anbieten.
Die Freestyle-Fraktion
In Österreich entwickelte sich seit 1998, in diesem Jahr fand der erste Freestyle Worldcup am Neusiedlersee im Zuge des "Summeropenings" statt, ein Trend zum Freestylewindsurfen. Allen voran standen der Ilmitzer (Burgenland) Frank Lewisch (35), Chris Sammer (28) und Tanja Emig (30) aus der Südsteiermark. Das Trio tingelte gemeinsam auf der PWA Worldtour rund um die Welt. Emig sammelte unzählige Topplatzierungen und forderte die weltbesten Konkurrentinnen. Lewisch kreierte den Spock 540°, der sich zum ultimativen Freesytletrick entwickelte und fuhr beim Worldcup auf Fuerteventura bis ins Finale vor.
Chris Sammer gewann 2003 den Event in Poderdorf am Neusiedlersee, beherrschte stets als erster Österreicher die aktuellsten Moves und wurde eine Art nationaler Windsurfheld. Sammer bewies auch 2008 beim Freestyleworldcup in Podersdorf mit Rang 17, dass er noch mit den Aktiven mitmischen kann, obwohl er sich hauptberuflich um den Vertrieb der Windsurfmarken Ion, Mistral, Northsails und Fanatic bemüht.
Frank Lewisch und Chris Sammer eifern unzählige junge Freestyler nach. Zu den aktuell erfolgreichsten Tricksern zählen der 22 jährige Gmundner Michael "Sumsi" Summereder und der Burgenländer Max Matissek (21). Neben den jungen Ridern haben sich Michael Rossmeier (28) und Tom Hartmann (28) fix in der Szene etabliert und würden sich einen sicheren Platz in der Grundaufstellung im Nationalteam verdienen.
Der Wiener Tom Hartmann erklärte Mauritius zu seiner Wahlheimat und verschrieb sich ganz dem radikalen Wellenwindsurfen. Um auch am Neusiedlersee außergewöhnliche Sprunghöhen zu erreichen, konstruierte Tom eine acht Meter lange und zwei Meter hohe Sprungschanze. Der Tiroler Rossmeier publizierte eine Freestylewindsurfbibel, die den Namen "Tricktionary" trägt. Außerdem zählt er zu den heißesten Freestylern Österreichs und landete ex aequo mit Summereder beim diesjährigen Worldcup am Neusiedlersee als bestplatzierter Österreicher auf Rang 9.
Österreicher in weiteren Disziplinen
Neben dem Freestylewindsurfen, bei dem Tricksurfen bewertet wird, existieren auf Wettkampfebene diverse Racingdisziplinen: Speedsurfen, Formula Windsurfen, Slalom 42, RS:X als olympische Einheitsklasse und die Raceboardklasse. Die Klassen unterscheiden sich durch den Einsatz des Materials, unterliegen aber alle einem übergeordneten Wettkampfprinzip: Auf einem vorgegebenen Kurs werden Plätze ausgefahren, und somit wird ein eindeutiger Sieger ermittelt. Es besteht eine optische Ähnlichkeit zu Segelwettkämpfen. Geschwindigkeit und Taktik entscheiden über Sieg und Niederlage. Es kommt zu direkten "Infights" und taktischen Manövern an den Bojen.
Ende 2003 wurde das "Windsurfteam Austria" von Peter Hörler, Michael Deutschmann und Peter Pfaffenbichler ins Leben gerufen. Das Projekt wurde bis 2006 verfolgt und widmete sich den Racingdisziplinen. 2005 wurde die Disziplin Slalom 42 in die professionelle Worldtour aufgenommen. Der Salzburger Chris Pressler (34) sprang auf den Zug auf und platzierte sich 2007 als bester deutschsprachiger Slalomfahrer auf dem 26. Gesamtrang der Tour.
Auch 2008 bestreitet der Wahlburgenländer die gesamte Tour. Zudem schaffte er auf der Asientour einen Sieg auf den Philippinen Boracay. Markus Pöltenstein (39) vertritt Österreich sporadisch auf der PWA Profislalomtour und versuchte im Winter 2008 den österreichischen Speed-Rekord von Mike Pucher am Kanal in Südfrankreich zu brechen. Am Ende fehlten dem Wiener über zwei Knoten auf einen neuen Rekord. Seinen größten Erfolg feierte der Wiener 2007 in Alacati (Türkei), wo er sich den IFCA Weltmeistertitel in der Mastersklasse im Slalom 42 sicherte.
Windsurfen befindet sich im EM-Jahr in Österreich wieder im Aufwind und die Gründung eines Nationalteams könnte den Sport förmlich beflügeln. Die Liste weiterer Namen, die für eine Teamnominierung in Frage kämen, wäre noch länger: Schanda, Seyss, Forstenlechner, Alvarez.... Denn auch Seensurfer können Olympiasieger, Weltmeister oder Europameister werden. Und auch die Bundeshymne würde mit einer kleinen Abänderung nichts von ihrem Charme verlieren: "Land der Berge, Land am Strome, Land der SEEN..."
Erfolge österreichischer Windsurfer
1993 Mike Pucher österreichischer Speedrekord 500 m mit 42,78 Knoten
2000 Frank Lewisch Rang 4 beim Fuerteventura Event und Rang 8 im Freestyle PWA Jahresranking (beste Platzierung eines Freestylers)
1992 Christoph Sieber, Rang 5 bei Olympischen Spielen in Barcelona im Windsurfen
2000 Christoph Sieber Olympiagold in Sydney in der Mistralklasse
2002 Tanja Emig Rang 3 beim King of the Caribbean
2003 Chris Sammer Rang 2 im PWA Freestyle Qualifier und EFPT Sieger in Podersdorf/Neusiedlersee
2007 Chris Pressler Rang 2, Asien Tour
2007 Markus Pöltenstein IFCA Slalom 42 Weltmeister in der Mastersklasse
Links
http://newworldspirits.com/ (Thomas Miklautsch, Abenteuerwindsurfer)
http://www.christophsieber.at/ (Olympiasieger)
http://www.chrispressler.com (PWA Worldcup Slalom 42 Windsurfer)
http://www.windsurfteamaustria.com (2003-2006)
http://mastersofspeed.com/riders.php?what=poeltenstein
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