Interview mit Daida und Iballa Moreno

 

 

Fotos RPC Mtwins / Iballa auf Fuerteventura
Daida Moreno auf Fuerteventura

 

Zwei Schwestern in einer Männerdomäne


Daida und Iballa, Ihr zwei zu einer Zeit Weltcups gewonnen, in der viele Frauen das Surfen ganz aufgegeben hatten und es kaum Unterstützung gab. Wie war das für Euch, in diese Männerdomäne einzusteigen?


Daida: Richtig, als wir anfingen, bei den PWA Touren mitzufahren, hatten die meisten Hauptakteurinnen aufgegeben (Jutta Muller, Nathalie Levrie, Britt Dunkerbeck, Kelly Moore, Jane Seaman…). Doch wir wollten nicht klein beigeben und fingen an der Basis an, versuchten, mehr Mädels ins Bood zu holen. Gleichzeitig trainierten wir mit den Jungs und haben die Standards für die Frauen erhöht. Das war am Anfang sehr schwer, die meisten Jungs waren eifersüchtig, sie mussten ja auch Preisgelder mit uns teilen... Viele Regeln mussten für uns abgeändert werden, um mehr Frauen auf Tour zuzulassen.


Iballa: Tja. Es ist schwer, wenn man motiviert in einen Sport einsteigt und zusehen muss, wie die Hauptdarsteller ihn wieder verlassen... Ich glaube, dass wir Frauen noch heute für unsere Rechte kämpfen müssen, während die Männer versuchen, die Tour für alle Fahrer zu verbessern... Es ist noch immer nicht einfach und es muss noch viel getan werden, um den Sport weiterzuentwickeln, nicht nur im sondern auch außerhalb des Wassers.

 

 

Foto: Dani Miquel, Titel: Backloop

Wie alles begann


Ihr habt erst spät mit dem Surfen angefangen: mit 17! Wann wurde Euch klar, dass Ihr das professionell machen wollt?

 

Daida: Wir haben eigentlich nie gedacht, dass wir professionelle Windsurferinnen werden. Wir haben mit dem Surfen angefangen, weil wir gern im Wasser sind (davor hatten wir schon an Bodyboard-Wettbewerben teilgenommen) und weil wir in Pozo lebten – dort ist es schwer, eine Welle zu reiten, mit all dem Wind, der einem entgegenbläst. Eines Tages lieh uns ein Nachbar ein Board und wir probierten es aus. Wir haben uns sofort in den Sport verliebt. Nach eineinhalb Jahren konnen wir forward loops and pushloops, also nahm ich 1998 an meinem ersten Weltcup hier in Pozo teil. .


Iballa: Zunächst gar nicht. Wir waren schon immer sportlich aktiv, sind gern gelaufen, haben Basketball gespielt… aber dadurch, dass wir jeden Sommer und alle Wochenenden in Pozo verbrachten, haben wir uns ins Wasser verliebt. Wir haben dann einfach die Gelegenheit genutzt, mit ein paar Freunden das Windsurfen zu lernen und entwickelten uns gut... heute ist es viel leichter, in Pozo das Windsurfen zu lernen, es gibt ein paar Schulen :-)

 

Viele großen Sportler sind Geschwisterpaare – man denke nur an Serena und Venus Williams im Tennis oder die Extrembergsteiger Alexander und Thomas Huber. Denkt Ihr, dass diese Paare (und Ihr selbst) soweit gekommen sind, weil sie einander haben?


Daida: Klar, einen Trainingspartner zu haben, ist von großem Vorteil, vor allem, wenn man mit ihm soviel gemeinsam hat bzw. verwandt ist. Allein zu trainieren, ist einfach nicht dasselbe. Ich habe eine Schwester, die hinter mir steht und mich zu Höchstleistungen antreibt. Das inspiriert und motiviert mich.


Iballa: Es ist immer gut, wenn man jemanden hat, der gleich stark ist und einen pushen kann. Oder jemanden zu haben, der besser ist und einem etwas beibringt. Wir bilden eine perfekte Symbiose.

 

Windsurfen damals und heute


Es gibt einige sehr junge Nachwuchstalente wie Sarah-Quita Offringa oder Alice Arutkin, die in Eure Fußstapfen treten werden. Sie haben noch einige Erfolge vor sich. Was ist der wichtigste Ratschlag, den Ihr ihnen in diesem Business mit auf den Weg geben würdet?


Daida: Das Wichtigste: habt Spaß! Ihr seid Eures Glückes Schmied. Diese Mädels haben noch einiges vor sich, sie müssen noch viel lernen und erleben. Hoffentlich werden auch sie jüngere Mädchen unterrichten und ihnen als Inspiration dienen.


Iballa: Seid eins mit dem Wasser… es ist gut, zu sehen, dass eine jüngere Generation an der Tour teilnimmt. Als ich so alt wie Sarah-Quita war, konnte ich kaum jiben! Sie dagegen macht all diese wikifliki-Freestyle-Sachen. Es ist toll, zu sehen, wie die Frauen den Sport weiterentwickeln. Was wir damals mit Wellen machten, mach Sarah im Freestyle.


Ihr unterstützt den Nachwuchs mit Euren Surfcamps. Könnt Ihr uns ein wenig mehr darüber erzählen?


Daida: Als wir mit dem professionellen Windsurfen angefangen haben, gab es eine große Kluft zwischen der “alten” und der “jungen” Generation. Das heisst, eigentlich gab es kaum jüngere Surfer. Daher war es natürlich sehr problematisch, eine richtige Tour auf die Beine zu stellen. Wir hatten dann die Idee, die Mädchen zusammen zu bringen und unser Know-How mit ihnen zu teilen.

Unser erstes Camp war 2006 in 2006 in Fuerteventura, nachdem wir ein PWA Event in Sotavento abgesagt hatten, entschlossen wir uns, die Frauen besser zu promoten und den Sport für Frauen attraktiver zu gestalten. Wir wollten, dass sie ihr Können verbessern, motiviert bleiben und das Konzept eines Soul Camps für unsere Zwecke erweitern.


Es war ein großer Erfolg, die nationale und internationale Presse lobte das Projekt und die Mädchen aus dem Camp organisierten im Anschluss eigene Camps in ihren Heimatländern. So brachten wir nach und nach immer mehr Frauen zum Windsurfen. Wir haben das Camp zweimal in Teneriffa wiederholt und 2008 in Gran Canaria.


Letztes Jahr konnten wir kein Camp organisieren, aber wir haben Frauen-Clinics im kleineren Rahmen geleitet. Der Unterschied zwischen einem Camp und einer Clinic ist vor allem der, dass das Camp 5 bis 7 Tage dauert, während die Clinic eine Art konzentrierte Form davon ist. Wir legen den Fokus auf die Techniken und verbringen innerhalb von zwei Tagen soviel Zeit auf dem Wasser wie nur irgendwie möglich.


Iballa: In diesem Jahr wird wieder so einiges passieren… Clinics für Männer, Frauen und Kinder und außerdem gibt es wieder Camps!

 

Foto: Starboard / Fun sailing with starboard

 

Welche Veränderungen hat der Sport in den letzten 15 Jahren erlebt?


Daida: Wow, diese Frage ist nicht leicht zu beantworten... Der radikalste Unterschied liegt wohl in den neuen Materialien. Heute gibt es hinter jeder Marke ein Riesen-Designteam, das das Material, das wir nutzen, stetig verbessert. Es ist leichter, weicher und ausdauernder, alle Details werden aufs genauste abgestimmt um dem Kunden den Zugang zum Sport zu erleichtern. Das Problem ist meiner Meinung nach jedoch, dass die Branche Windsurfen heute kleiner ist als früher. Bevor wir anfingen, gab es noch richtig viele Events, Windsurfen war ständig im Fernsehen zu sehen und dementsprechend wurde viel mehr Geld investiert. Heute kämpfen wir beständig, um genug Sponsoren zu finden, damit wir im Wettkampfgeschehen bleiben können. Die Budgets werden stattdessen an breitentaugliche Sportarten vergeben wie z.B. Fußball. Dagegen kommen wir nicht an; wir müssen versuchen, wieder viel präsenter im Fernsehen zu sein.


Iballa: Außerdem haben sich die Moves wieiterentwickelt… alle Fahrer der PWA haben ihr Können gesteigert, und natürlich nutzen sie dazu das beständig besser werdende Material...


Ein kurzer Blick in die Kristallkugel


Wie wird sich das Windsurfen in der Zukunft, also den nächsten zehn oder zwanzig Jahren, weiter entwickeln?


Daida: Hoffentlich gibt es dann Segel, die von selbst auftakeln… hihi. So wie diese Zelte, die man in die Luft wirft und wenn sie am Boden landen sind sie bereits aufgespannt.


Iballa: Vielleicht gibt es dann eine Wave-Tour nur für Frauen Sicherlich werden Daida und ich da nicht mehr mitmachen, aber wir werden weiter daran arbeiten, den Sport in diese Richtung zu entwickeln...


Und Ihr? Wo seht Ihr Euch in zehn oder zwanzig Jahren?

 

Daida: Zehn oder zwanzig Jahre????... Hoffentlich noch in einem Stück... hihi.

Iballa: Ja, hoffentlich kann ich dann noch Surfen! Selbst wenn es nur Freeriden ist... ich würde so oder so noch Spaß dran haben.

 

Foto: Ffotosports.com / Daida doing backloop in Pozo

 

Die Schwestern über sich selbst


Daida über sich selbst

Wenn ich eine Superkraft hätte, wäre es… so etwas wie Hiro Nakamura in “Heroes”.. . dann könnte ich in der Zeit vor- und zurückspringen.

Drei Dinge, die ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde: Wasser, Musik und meinen Freund :-)

Wenn ich nicht surfe… verbringe ich gern Zeit zuhause oder spiele Basketball.


Iballa über sich selbst:

Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich… ein Delphin... dann könnte ich mit den Wellen schwimmen.

Mein bester Surfmoment aller Zeiten: Fuerteventura im Winter und eine Bootsfahrt, die ich letztes Jahr in Indonesion gemacht habe :-)

Wenn ich nicht surfe… schaue ich gern Windsurf-/Surfvideos….

 

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