Marcilio Browne – Ein brasilianischer Youngster erobert die Windsurfwelt

Vor zwei Jahren noch war Marcilio Browne der heißeste Newcomer auf dem internationalen Windsurf-Transfermarkt. Er galt als Ausnahmetalent und gleich mehrere der großen Windsurfmarken buhlten um seine Gunst, wollten ihn in ihrem Worldcup-Team. "Brawzinho", wie Marcilio von seinen Freunden genannt wird, brachte alles mit, was es bedarf, um ein zukünftiger Windsurf-Weltmeister zu sein: extrem viel Talent, Enthusiasmus und wegen seiner Jugend ein enormes Potential für die Zukunft.

 

Schließlich war es die Traditionsmarke Mistral, die das Rennen um den Youngster machte. Und schon wenig später, am Ende der spannenden Worldcup Saison 2007, konnten die Mistral Manager sicher sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Der damals erst 18jährige Brawzinho setzte zu einem Siegeszug durch die Freestyle-Events der Worldtour an, der seinen krönenden Abschluss in einem verdienten Weltmeistertitel fand.

 

2008 direkt vor dem finalen Worldcup Event der Tour, dem PWA Super Grand Slam auf Sylt (GER), ist Brawzinho zweiter in der Disziplin Freestyle und vierter in der Herrenkonkurrenz der Wave-Wettbewerbe. Grund genug, sich dieses brasilianische Windsurftalent, das auf dem Weg zu sein scheint die Windsurfwelt zu erobern, einmal genauer anzusehen.

 

Foto Thorsten Indra / DeFodi
Foto DeFodi

Windsurfen liegt in der Familie
Marcilio Browne wurde in Fortaleza geboren, nicht nur eine der größten Städte Brasiliens, sondern auch eine der windigsten. Er begann bereits mit vier Jahren mit dem Windsurfen. Sein Vater und sein Onkel sind ehemalige Brasilianische Windsurfmeister, ein Umstand der Marcilio's Werdegang maßgeblich beeinflusste. So verwundert es auch nicht, dass sein jüngerer Bruder Gabriel ebenfalls Pro-Windsurfer ist und schon mehrfach brasilianischer und Südamerika Meister in den Jugend- und Juniorwertungen der Racing Disziplinen war. In der Zwischenzeit ist aus Brawzinho einer der Top-5 Windsurfer der Welt geworden und zwar gleich in zwei Disziplinen: Wave und Freestyle.

 

Der erste große Sponsorenvertrag
Rückblickend auf seinen Schritt in den Fokus des internationalen Windsurfzirkus sagt Brawzinho: “Als ich für Mistral unterschrieb war ich in einer guten Verhandlungsposition. Verschiedenen Teams waren an mir interessiert. Dieser Sponsorenvertrag war ein Riesenschritt für mich. Nun habe ich unglaubliche Boards und hatte auch schon Gelegenheit mit dem R&D-Team an neuen Shapes zu arbeiten. Es ist wirklich wichtig für all die verschiedenen Bedingungen die richtigen Boards zu haben, und da hilft die Arbeit mit dem Entwicklungsteam enorm. Das ist es am Ende, was den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen kann.”

 

Nur eine Frage der Zeit
In den Chefetagen der großen Windsurfmarken gab es keinen Zweifel daran, dass Brawzinho all das mitbrachte, was es braucht, um ein zukünftiger Windsurfchampion zu sein. Donald Scholz, zu dieser Zeit der verantwortliche Brandmanager im Mistral Headquarter bei Munich, sagt dazu: “Unsere Marke hat Windsurflegenden wie Robby Naish, die Moreno Twins und viele andere erfolgreiche Surfer hervorgebracht. In den letzten Jahren hinkten wie ein wenig hinter her, also war es Zeit für einen Wechsel. Was wir brauchten war neues, frisches Blut in unserem Team. Für uns war es wichtig, dass wir zusammen mit unserem neuen Fahrer wachsen konnten und nicht einfach einen existierenden Star einkauften. Und aus diesem Grund passte Marcilio einfach perfekt zu uns. Lasst ihm etwas Zeit und er wird top im Freestyle und auch in der Welle sein. Es ist nur eine Frage der Zeit.”

 

Foto Thorsten Indra / DeFodi

Der Fortschritt im Freestyle
Das Level in der Disziplin Freestyle ist in den letzten drei Jahren ins Unermessliche gestiegen und Marcilio ist ganz vorne mit dabei mit all den neuen Manövern.

 

“Es kommen ständig neue Moves raus. Was aber im Wettbewerb den Unterschied zwischen guten und sehr guten Freestylern ausmacht ist die Konstanz bei den Manövern”, erklärt Marcilio. “Du musst nicht unbedingt die aller neuesten Sprünge drauf haben, um zu gewinnen. Du musst viel mehr deine Kür clever aufbauen und all die Manöver ins Wasser nageln, die du sicher stehst. Ich zum Beispiel achte während eines Heats nie daruf was mein Gegner gerade für Manöver gezeigt hat, um dann etwas Entsprechendes oder Besseres entgegenzusetzen. Das bringt mich nur aus meinem Rhythmus. Wenn du gegen einen der Top-Freestyler antrittst musst du aber natürlich ein bisschen mehr Gas geben und riskieren als gewöhnlich", sagt Marcilio.

 

Die Top Freestyler
Angesprochen auf die Top-Fahrer in der Freestyle Disziplin meint Marcilio: “Ich denke Jose “Gollito” Estredo aus Venezuela, Freestyle Weltmeister von 2006, ist nach wie vor der beste Freestyler der Welt. Aber auch die besten Wettkämpfer haben ab und zu einmal einen etwas schwächeren Heat. Als ich vergangenes Jahr bei Worldcup auf Fuerteventura gegen Gollito gewinnen konnte, hatte ich den besten Heat meines Lebens.”

 

“Das Level im Freestyle ist mit Worten bald nicht mehr zu beschreiben. Gollito und Ricardo Campello (dreimaliger Freestyle Weltmeister, auch in Brasilien geboren, startet aber für Venezuela) nur beim freien Training zuzuschauen ist atemberaubend. Manche der Sprungkombinationen, die Kiri Thode aus Bonaire zeigt kann ich gar nicht mehr nachvollziehen. Gollito hat einen sehr kraftvollen Stil, Ricardo aber denke ich, kommt mit seinen flüssigen Moves bei den Kampfrichtern besser an. Mittlerweile ist die Leistungsdichte in der Weltspitze so hoch, dass jeder der Top-20 Fahrer einen Worldcup gewinnen könnte.”

 

Freestyle - Der erste Weltmeistertitel
Nach zwei spannenden Freestyle Wettbewerben auf den Kanarischen Inseln fiel die Entscheidung über den Weltmeistertitel der PWA Freestyle Tour 2007 beim letzten Event auf Sylt. Eigentlich reiste Kiri Thode aus Bonaire als Ranglisten-erster zum Event nach Deutschland ein, aber eine Vielzahl an unerwarteten Siegen und gefallenen Favoriten während des Wettkampfes hatte zur Folge, dass am Ende des ersten Durchgangs fünf verschiedenen Fahrer die Chance auf den Titel hatten. Alles hing nun vom Ergebnis des zweiten Durchgangs, der Verliererrunde ab. An einem dunklen, kalten regnerischen Spätnachmittag wurde Kiri dann vom Franzosen Anthony Ruenes (FRA) in einem Heat geschlagen und plötzlich stand die Tür für Brawzinho offen.

 

Kalt, dunkel und regnerisch
“Es war eine seltsame Atmosphäre am Strand: kalt, dunkel und regnerisch. Doch ich war so nervös, dass ich die Kälte nicht spüren konnte”, erinnert sich Marcilio. “Ich wusste, um noch eine Chance auf den Titel zu habe musste ich in der Verliererrunde mindestens zwei Heats gewinnen. Ich bin beinahe durchgedreht bei all den Punkten, auf die ich im Wettkampf achten musste. Auf dem Wasser dann habe ich versucht all das auszublenden und einfach zu surfen. Gott sei Dank ist alles gut gegangen. Dieser Moment, als ich meinen Heat gegen Ricardo gewann, war einzigartig. Ich wusste, ich hatte genug Punkte gesammelt, um auf Platz eins vor zu rutschen. Seit dem ich mit dem Windsurfen begonnen habe, habe ich davon geträumt Weltmeister zu werden, nun war es passiert.”

 

Fotos Thorsten Indra / DeFodi

Das Level in der Disziplin Wave
Nach dem sich Marcilio seinen Platz in der ewigen Bestenliste der PWA als Freestyle Weltmeister gesichert hat, macht er sich nun daran in der nächsten Disziplin anzugreifen: im Waveriding. Allerdings war es noch nie so schwer wie heute sich in dieser Disziplin an die Weltspitze vor zu arbeiten.

 

“In der vergangenen Saison find ich waren mein Freund Kauli Seadi (BRA), der amtierende Weltmeister in der Welle, und Victor Fernandez (ESP) einfach gigantisch. Diese Jungs sind die neue Generation im Wavesurfern. Man sollte natürlich auf keinen Fall die Routiniers in dieser Disziplin vergessen, aber einen dieser beiden zu schlagen, da muss man schon extrem gut drauf sein. Victor surft außergewöhnlich konstant, jeden Sprung, den er im Wettkampf zeigt, steht er perfekt und mit Stil. Kauli hat das Wavesurfen geradezu revolutioniert, indem er all die verrückten Freestylemanöver in die Welle brachte. Ich denke Kauli hat beim Wellenabreiten ein wenig die Nase vorn, Victor dagegen bei den Sprüngen. Seine Doppel-Loops dieses Jahr auf Gran Canaria waren einfach nur noch Wahnsinn. Das Level in der Welle ist extrem hoch und ich gebe mein Bestes, da mithalten zu können.”

 

Der Beste zu sein heißt überall gewinnen zu können
Ein guter Windsurfer zu sein ist eine Sache. Aber ein Top-Wettkämpfer in der Königsdisziplin des Windsurfens, dem Wavesurfen zu sein bedeutet in allen Bedingungen, wo auch immer auf der Welt, ob bei viel Wind oder wenig, bei großen Wellen oder bei kleinen, bei tropischen Temperaturen oder eisigem Herbstwetter der Beste zu sein. Marcilio meint dazu: “Ich reise immer schon lange vor den Wettkämpfen an den Veranstaltungsort, so habe ich genug Zeit, um mich an die jeweiligen Bedingungen zu gewöhnen. Ich arbeite hart am Setup meiner Ausrüstung und versuche immer perfekt vorbereitet zu sein, bevor der erste Heat eines Wettbewerbs beginnt”.

 

Die Brasilianische Art zu Surfen
Mit Brawzinho und Kauli stammen derzeit gleich zwei der amtierenden PWA Weltmeister aus Brasilien. Derart im Fokus der Windsurfwelt stand das Land zuvor noch nie. Kauli war der erste von beiden, der für Schlagzeilen sorgte, aber Marcilio ist ihm dicht auf den Fersen.

 

Kauli Seadi – ist derjenige, den es zu schlagen gilt
“Kauli und ich, wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Er hat mit viel beigebracht, hat mir gezeigt, wie man bei Wettkämpfen taktieren muss und wie man sein Equipment optimal einstellt. Er hat in den letzten Jahren das Wavesurfen auf ein völlig neues Niveau gebracht. Sein Stil in der Welle ist einzigartig und erinnert mehr an den eines Wellenreiters als an den eines Windsurfers, wie Kelly Slater. Ich denke im Moment ist er in der Welle unschlagbar. Kauli war mein Vorbild seit dem ich 12 Jahre als bin, und er ist es noch heute. Nicht weil er mein Freund ist, vielmehr bewundere ich seine Einstellung zum Windsurfen. Ich versuche nicht ihn zu kopieren, aber schaue auf zu ihm.”

 

Ein wachsendes Team Brazil
“Ich bin jetzt 19 Jahre alt und das ist schon meine dritte Welttour, die ich komplett mitfahre. Ich bin noch jung und habe noch viel vor mit. In Brasilien gibt es noch eine ganze Menge talentierter Nachwuchsfahrer, die nun einer nach dem anderen in die Tour einsteigen. Ich hoffe, dass wenn die Jungs sehen, was Kauli und ich schon erreicht haben, sie das motiviert es uns gleich zu tun. Mein Bruder Gabriel zum Beispiel tritt in den Race Disziplinen an und hat dieses Jahr schon an ein paar Events teilgenommen. Er hat noch keine großen Erfolge eingefahren, aber er ist erst 17 und steht erst am Anfang. Wenn er bereit ist zu lernen kann auch er es ganz nach oben schaffen.”

 

Was denkt Kauli Seadi über Marcilio?
“Als erstes habe ich Marcilio's Vater bei einem Wettbewerb kennen gelernt. Er war damals einer der besten brasilianischen Windsurfer, wir kannten uns also. Ein Jahr später traf ich dann Brawzinho. Er war damals noch sehr jung, ein kleiner Junge eben, aber er hatte schon eine Menge drauf. Man konnte ihm ansehen, dass er verrückt nach Windsurfen war, genau wie seine ganze Familie. Für mich ist er einer der talentiertesten Windsurfer, die ich kenne. So gut in zwei verschiedenen Disziplinen - im Freestyle und in der Welle - zu surfen ist beachtlich. Es gibt nicht viele, die das von sich behaupten können. Im Freestyle hat er letztes Jahr bewiesen, dass er der Beste der Welt ist. Warten wir ab, was er dieses Jahr in der Welle zeigen kann", sagt Kauli.

 

Foto Thorsten Indra / DeFodi

Home sweet Home
Trotz der vielen Reisen an die schönsten Strände der Welt liebt Marcilio nichts mehr, als nach Hause an seinen Homespot in Fortaleza zu kommen, wo er unbeschwert mit seiner Familie und seinen Freunden Windsurfen kann. 

 

“Ich liebe meine Heimat. Alle meine Freunde dort surfen auch. Wenn ich dort bin gehe ich dann immer zusammen mit meinem Dad, meinem Onkel und meinem Bruder aufs Wasser. Die Bedingungen zum Windsurfen sind großartig und Weltklasse Surfspots wie zum Beispiel Jericoacoara sind nur 3 1/2 Stunden entfernt. Dort bin ich oft zum Trainieren, gerade für das Freestyle.”

 

“In den letzten beiden Jahre habe ich auch immer einen Monat im Jahr bei Kauli unten in Ibiraquera verbracht. Dort gibt es Spots mit ganz unterschiedlichen Bedingungen, perfekt um zu trainieren. Und wenn mal kein Wind bläst, dann gehen wir Tow-In Surfen mit Kauli's Jetski. Die haben tolle Wellen da ab und zu.”

 

Zukunftsaussichten
Da Marcilio "Brawzinho" Browne mit seinen 19 Jahren bereits einen Weltmeistertitel in der Tasche hat, kann er sich jetzt ohne unnötigen Druck daran machen, sein Allroundtalent unter Beweis zu stellen - ihm steht eine große Zukunft bevor. Zweifelsohne ist “Brawzinho” ein Name, den man sich merken sollte, denn es ist damit zu rechnen, dass man ihm noch des Öfteren begegnen wird, in dieser spannenden neuen Ära des Wettkampfwindsurfens.

 

Foto DeFodi
Foto Thorsten Indra / DeFodi
Foto DeFodi

Daten zu Marcilio "Brawzinho" Browne
Geburtsdatum: 04. Mai 1989
Geburtsort: Fortaleza, Brasilien
Wohnort: Fortaleza
Disziplinen: Freestyle, Wave
Surft seit: 1993
Sponsoren: Mistral, Gaastra, Chiemsee
Größter Erfolg: PWA Freestyle Weltmeister 2007

 

Links
Profil auf der PWA-Webseite:
http://www.pwaworldtour.com/index.php?id=7&tx_pwasailor_pi1[showUid]=570&cHash=740cfaebec
Profil auf der Webseite seines Sponsors:

http://www.mistral.com/public/content/team/international/marcilio_browne/index_eng.html
Story - Team Brazil: http://www.worldofwindsurfing.net/de/press-lounge/stories-nach-ressorts/national-teams/bra.html

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