

11 Weltmeistertitel, davon drei in 2007, Weltrekordhalter im Speedsurfen, der Franzose Antoine Albeau ist derzeit der unangefochtene Star des Windsurfens. Wenn ein Sportler bereits 11 Weltmeistertitel gewonnen und seine Konkurrenten über Jahre hinweg dominiert hat, welchen Antrieb mag er dann haben immer noch weiter zu machen? Antoine Albeaus Motivation ist eine beeindruckende Mischung aus Adrenalin und Leidenschaft, die ihn befähigt noch schneller zu surfen, noch stürmischere Winde und noch höhere Wellen zu bändigen.
Tatsächlich hat er in 2007 drei Weltmeistertitel in den Disziplinen Speed, Slalom und Formula Windsurfing gewinnen können, aber damit ist er noch nicht zufrieden. Während seine Kontrahenten in den warmen Passatwinden Hawaiis trainierten blieb Albeau im kalten europäischen Winter, um am „Masters of Speed“ Event, einem privaten Geschwindigkeitsrekordversuch teilzunehmen, der auf einem künstlichen Kanal in Saintes Maries de la Mer in Südfrankreich ausgetragen wird.
Der schnellste Mann auf dem Wasser
Nach zwei Anläufen im November und Januar verbesserte Albeau seine Leistung sukzessive und kam nahe an den seit 2005 bestehenden Geschwindigkeitsrekord des amtierenden Champions Finian Maynard von den British Virgin Islands (48,70 Knoten; 90,19 km/h) heran. Am 05. März 2008 brach Antoine Albeau dann den Rekord. Mit einer Geschwindigkeit von 49,09 Knoten (90,91 km/h) wurde er somit nicht nur zum schnellsten Windsurfer der Welt über die 500 Meter Sprintdistanz, sondern auch zum schnellsten „segelgetriebenen“ Mann auf dem Wasser, weit vor den Multi-Millionen-Dollar Trimaran-Rennyachten, die ebenfalls auf der Jagt nach dem Rekord sind.
Dank dieser bei beängstigenden Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h erbrachten Leistung wird sein Name nun in die Analen des Weltsegelverbandes eingehen, dessen „World Sailing Speed Record Council WSSRC“ für die Anerkennung eines solchen Rekords zuständig ist. Dies ist schon allein deswegen eine beachtliche Leistung, da es seit 1972 erst vier Windsurfer in diesen elitären Club geschafft haben (Erik Beale, Pascal Maka, Thierry Bielak und Finian Maynard).
Der nächste Dunkerbeck
11 Weltmeistertitel, einen schicken Geschwindigkeits-Weltrekord, was will man mehr? Wegen dieser Liste an Titeln ist Antoine Albeau mittlerweile zu einer Legende des Windsurfens geworden, wie zuvor Ausnahmetalente wie Robby Naish und Björn Dunkerbeck, die Idole, denen Antoine selbst nacheiferte, als er noch ein Teenager war.
Heute steht der Franzose mit diesen Ikonen des Sports, die ebenfalls beeindruckende Sammlungen an Titeln vorweisen können, auf einer Stufe. Während die 1980er Jahre von der Überlegenheit des US-Amerikaners Robby Naish geprägt waren und die 1990er von der überwältigenden Dominanz des Spaniers Björn Dunkerbeck, so ist Antoine Albeau definitiv der Mann des neuen Jahrzehnts.
Der Schlüssel zum Erfolg
An das erste Mal, als er auf ein Windsurfboard stieg, kann sich der Weltmeister schon gar nicht mehr erinnern. Denkt er zurück, dann kommt es ihm so vor, als sei er schon immer gesurft. Tatsächlich war Windsurfen schon immer ein prägender Aspekt in seiner Familie. Sein Vater, Jean-Marie, war einer der ersten Windsurfer in Frankreich, nahm auch schon mit guten Ergebnissen an verschiedenen Wettkämpfen teil und gründete eine Windsurfingschule auf der île de Ré. Dabei sind die Gemeinsamkeiten zwischen Antoine Albeaus Familie und der von Björn Dunkerbeck beachtlich, hatten dessen Eltern doch auch eine Surfschule auf Gran Canaria.
Ist dies das Geheimnis, wie aus einem Jungen ein Champion wird? Vermutlich ja, vorausgesetzt die Leidenschaft wird nicht erdrückt… An der Seite seines Vaters und schon seit seiner Jugend, trat Antoine gegen die besten Windsurfer Frankreichs bei den nationalen Meisterschaften an. Schnell erkannten die „Älteren“ dass dieser robuste, junge Kerl bald einer der besten seinen würde, vor allem bei harten Bedingungen. Im Alter von 20 Jahren machte Antoine seine ersten Erfahrungen im internationalen Weltcup Zirkus, beobachtete seiner Zeit die Stars der Szene und sammelte die Erfahrungen, die er später brauchen würde, um seine Idole zu überholen. Aber „selbst wenn er unter den 20 Besten der Weltrangliste war, kam er zurück nach hause und wurde dort von seinem Vater auf dem Wasser überholt”.
Der französische Elefant
Weil ihm die Geschwindigkeit im Blut zu liegen scheint, kam es schließlich dazu, dass Antoine Albeau zum weltweit unangefochtenen Star des Windsurfens wurde. Das könnte auch noch einige Zeit so bleiben, denn neben dem „Speed” hat Antoine auch die Statur seines Vaters geerbt: 1,85m Körpergröße, 100 Kilo Gewicht und eine beeindruckende Portion Kraft. Als professioneller Sportler trainiert er seinen Körper natürlich, betreibt auch in Maßen Bodybuilding und achtet auf sein Gewicht, denn selbst wenn er den besten Topspeed der Profiliga hat, benötigt er dennoch neben der reinen Geschwindigkeit auch ein gehöriges Maß an Agilität, um in seinen Disziplinen um die Slalombojen zu manövrieren.
Im Alter von 36 Jahren dominiert Antoine Albeau seinen Sport, und wie es aussieht wird das vorerst auch weiterhin der Fall sein. Er hat das nötige Rüstzeug um zu siegen: eine einwandfreie Physis, ausreichend Selbstvertrauen, eine unerschütterliche, mentale Stärke und die besten Materialsponsoren der Szene. Der Weltmeister arbeitet mit den Top-Herstellern des Windsurfens zusammen. So wird er von den Marktführen für Segel "Neil Pryde”, Boards "Starboard” und Accessoires “Quiksilver” ausgestattet.
Windsurfen ist eine Sache des Gefühls, aber auf diesem Leistungsniveau ist auch die Ausrüstung von großer Bedeutung. Deshalb ist Materialverbesserung und -abstimmung oft ausschlaggebend für Sieg oder Niederlage. Nicht zuletzt aus diesem Grund verbringt Antoine viel Zeit auf dem Wasser damit, neue Designs auszuprobieren und Ausrüstungsteile zu testen, die er später im Wettkampf einsetzten wird, und die es dann alsbald für jedermann in den Shops zu kaufen gibt.
Windsurfen ist nicht die Formel1
Eine professionelle Welttournee, umfangreiche technische Ausrüstung, man könnte glatt Parallelen zur Formel 1 ziehen, nur dass die Verträge eines Antoine Albeaus nicht mit denen eines Lewis Hamilton vergleichbar sind. Antoine bringt es auf den Punkt: „Im Windsurfen ist nicht viel Geld zu verdienen, es ist schwer seine Zukunft abzusichern. Man muss eine Menge geben, bekommt dafür aber nur wenig, aber so ist es nun mal. Wenn ich zurück blicke in meine Vergangenheit, dann sehe ich da viele Jahre auf der Pro-Tour und eine Menge positiver Erinnerungen. Das ist es, was letztendlich zählt.”
Tatsächlich ist ein Profisurfer alles andere als ein braungebrannter Faulenzer, der sich am Strand herumtreibt. Das wirkliche Leben Antoine Albeaus ist die Aufeinanderfolge von Flugreisen, mit einem Minimum von 500 kg Gepäck beim Check In, um zu den Wettkämpfen auf der ganzen Welt zu gelangen, unterbrochen von Zeiten, die er mit seiner Familie in seinem wunderschönen Haus auf der île de Ré bei La Rochelle verbringen kann. „Viel zu selten” wenn es nach seiner Frau Sarah geht, einer bezaubernden Britin, die er auf der Tour traf, als diese noch für die PWA (Professional Windsurfers Association) arbeitet. „Drei oder vier Monate auf Hawaii zum Trainieren und Material Testen, drei Monate zu Hause und den Rest des Jahres unterwegs um die Welt”, das ist der jährliche Kalender des Weltmeisters und seiner Frau, die die meisten Reisen für ihn organisiert.
Seine Vielseitigkeit macht ihn einzigartig
Die Liste seiner Erfolge ist einer der vollständigsten in der Geschichte des Windsurfens. Mit 11 Weltmeistertiteln und einer ungezählten Sammlung an nationalen Meisterschaften ist Antoine Albeau einer der erfolgreichsten Windsurfer Europas, zusammen mit Björn Dunkerbeck. Aber das Beeindruckendste an Antoine ist nicht die schiere Zahl seiner Erfolge, sondern seine Vielseitigkeit, denn die meisten der aktuellen Top-Surfer haben sich auf eine einzige Disziplin spezialisiert. Nimmt man beispielsweise die amtierenden Weltmeister in den Disziplinen Freestyle oder Wave, so würden diese niemals erwarten bei einem Slalom-Event auch nur durch die Ausscheidungsrunde zu kommen, und deshalb gar nicht erst antreten.
Auf der anderen Seite könnte Antoine bei einer Ausscheidung im Wellensurfen durchaus auf der Liste der Letzten 10 stehen, wenn die Bedingungen seiner Körpergröße entsprechen würden. Albeau sammelte seine Titel in der gesamten Bandbreiter der Renndisziplinen (Slalom, Formula Windsurfing, Speed und Supercross), aber er gewann zudem auch einen Weltmeistertitel in der Disziplin Freestyle, bei der die Mehrzahl der Athleten gerade einmal die Hälfte seines Gewichts auf die Wage bringen würde. Und so überrascht es nicht, dass es zu seinen “Hobbys” zählt, sich in den Wellen der Welt auszutoben. Kaum beachtet neben seinem Speed-Weltrekord war es wiederum Antoine, der im Frühjahr dieses Jahres einige der größten Wellen vor Biarritz an der französischen Atlantikküste ritt, um kurz darauf noch für eine Runde „Stand Up Paddling“ aufs Wasser zu gehen.
Süchtig nach Sport
Seine Frau Sarah würde es so beschreiben, „Tonio” ist ein Sportsüchtiger: er kann nicht still sitzen, er braucht immer etwas Adrenalin. Dabei spielt es keine Rolle, was für ein Wetter wir haben, er geht so oder so aufs Wasser. Windsurfen, Wellenreiten, Paddle Surfen, Jetski, Kitesurfing, Wakeboarding, er tut sich in jeder Art von Wassersport hervor. Und sollte einmal kein Wasser in der Nähe sein, schnappt er sich sein Mini-Motorbike oder sein Snowboard, um sich seinen Rausch zu holen.“
Mehr als nur ein Windsurf-Champion, Antoine Albeau ist eher wie Larid Hamilton: einer der größten „Watermen“ der Welt. Diesen Winter hat er einen der größten Swells des Nordatlantiks bezwungen, der je gemessen wurde. Aber er hat immer noch ein großes Ziel: Die magische 50 Knotenmarke (92,6 km/h) zu brechen.
Resultate
2008: Speedsailing Weltrekordhalter (49,09 Knoten)
2007: PWA Slalom Weltmeister
2007: Speed Weltmeister
2007: Formula Windsurfing Weltmeister
2006: PWA Slalom Weltmeister
2006: PWA Supercross Weltmeister
2005: Formula Windsurfing Weltmeister
2004: Formula Windsurfing Weltmeister
2001: PWA Freestyle Weltmeister
1994: Dreifacher Weltmeister (Slalom, Racing und Gesamtweltcup)
Links
Website des World Sailing Speed Record Council WSSRC
Antoine Albeaus Rekordlauf auf youtube
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