
Aus der Sicht ambitionierter Windsurfer sind es nicht die Sommermonate, in denen Hochsaison auf deutschen Gewässern herrscht, sondern Herbst und Frühjahr, wenn die großen Sturmtiefs über Europa hereinbrechen und auch den weit von den Küsten entfernten Binnengewässern Starkwind und Wellen bescheren.
„Seufzend in geheimer Klage streift der Wind das letzte Grün“, beschwert sich Theodor Storm, und Rainer Maria Rilke ergänzt: „Auf den Fluren lass die Winde los“. Auch wenn die beiden berühmten deutschen Dichter am Herbst kaum ein gutes Haar lassen und Wärme und saftigen Wiesen hinterher trauern, so wussten sie doch eins: in dieser Jahreszeit kann es stürmisch werden in Deutschland.



Beste Zeit für deutsche Windsurfer
Damit sprechen die zwei Lyriker den Windsurfern aus der Seele: der Herbst ist die beste deutsche Surfzeit! Wer glaubt, die europäischen Surfer stellten am Ende jeden Sommers ihr Brett in die Garage und schwelgten in Erinnerungen an Sonne und Strand, könnte nicht mehr irren. Denn wenn in den Fernsehnachrichten die ersten Tiefausläufer angekündigt werden, die Wind und Kälte bringend, über das Land treiben, hält es keinen Windsurfer von Format in seinem kuscheligen Sessel. Mit dickem Neoprenanzug und kleinen Sturmsegeln im Gepäck machen sich die Wassersportler auf die Jagd nach perfekten Surfbedingungen. So frostig sind diese gar nicht, denn auch wenn die Aussentemperatur in den Keller sinkt, sind doch die Wassertemperaturen der Küsten und Seen dank des vorangegangenen warmen Sommers meist noch akzeptabel. Und auch im Frühjahr bringen die Sturmtiefs oft zwar Schmuddelwetter, aber nur selten Frost mit sich.
Ein Geschenk der Natur
Ein Fußballer findet an jedem Tag, zu jeder Zeit ideale Bedingungen zur Ausübung seines Sports vor. Die Faszination, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, das seltene Vergnügen, in hervorragenden Bedingungen windsurfen zu können, wird er deshalb kaum nachvollziehen können. Doch genau das macht die positive Anspannung der Surfer im Herbst und im Frühjahr aus: auf den Sturm zu warten, sich Zeit zu nehmen, das richtige Revier zu wählen, und endlich mit Einsetzen des Sturms mit dem Segel in der Hand ins Wasser zu stapfen. Der Sturm ist in diesem Moment ein Geschenk der Natur, das alle Surfer mit einem Grinsen im Gesicht willkommen heißen. Nach einem Parforceritt in peitschenden Böen und fliegendem Regen unter der Dusche zu stehen und die eigene Lebendigkeit zu spüren, entschädigt die Sportler für all diese Mühen. Am Ende sind es eben die nicht alltäglichen Dinge im Leben, die schwer zu bekommen sind und somit die größte Freude hervorrufen können.


Red Bull blies zur Jagd auf den Sturm
Den Zauber der Herbststürme hat auch Red Bull erkannt, die 2006 sehr erfolgreich den "Storm Chase" - Wettkampf durchführten. Surfer aus den meisten europäischen Ländern kämpften an ihren jeweiligen Küsten im Wind des gleichen Tiefdruckgebiets gegen die Naturgewalten an. Den Sieger ernannten nicht Punktrichter, sondern die Windsurfer selbst. Dabei zeigte vor allem die Deutsche Steffi Wahl, die auch schon mit einer ausgezeichneten Leistung beim PWA Wave World Cup auf Sylt von sich reden machte, dass auch Frauen in radikalsten Bedingungen bestehen und dabei auch noch gut aussehen können. Im Jahr 2007 stand, ebenfalls unterstützt von Red Bull, mit den "Big Days" ein vergleichbares Event auf dem Programm, das den stürmischen deutschen Herbst abermals für einen Windsurfing-Wettkampf der besonderen Art nutzte.
Windsurfer wissen also: Die Surfsaison fängt nach dem Sommer erst richtig an.
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