

Am 20. Oktober 2008 überquerten Guy Cribb aus England und Antoine Albeau aus Frankreich den Ärmelkanal. Der merhfache Weltmeister und Speed-Spezialist Antoine Albeau und der mehrfache Britische Meister (in den 90er Jahren) Guy Cribb brauchten sechs Stunden für die rund 130 Kilometer bis sie bei Sandbanks Beach die englische Küste erreichten. Sie starteten in Cherbourg im Norden an der französischen Küste.
Es war auch ein Fundraising-Projekt. Mit ihrem Abentuer sammelten die beiden 7.000 Pfund für den Ellen MacArthur Trust für kranke Kinder.
Lesen Sie hier den Bericht von Guy Cribb
„Es muss doch noch leichtere Wege geben das Windsurfen ins Fernsehen zu bekommen“ schoss es mir durch den Kopf, als ich hoch aus dem Wasser geschleudert wurde und von einer höllischen Windpeitsche in der Luft herumgewirbelt wurde; 5 Stunden lang wie auf einem Katapult, mit Krämpfen fast in meinem ganzen Körper.
Wir verließen Cherbourg um 10 Uhr Morgens (9 Uhr britische Zeit) in einem südwestlichen Wind. Als wir auf die Windlinie trafen, kamen wir auch in sehr aufgewühltes Wasser in den berüchtigten Strömungen rund um die französische Halbinsel. In der ersten Stunde haben Antoine und ich uns mehrmals aufgestellt, die Kontrolle verloren und überpowert; wirklich krass, als Zeichen, dass uns noch einiges bevorstehen würde.
Allerdings konnten wir es auch nicht langsamer angehen lassen, denn wir hatten von den französischen Behörden keine Erlaubnis, ihr Küstengebiet zu verlassen. Also mussten wir die ersten 15 Meilen so schnell wie möglich hinter uns bringen. Natürlich haben sie uns nicht erwischt. Da Antoine und sein Team heute nach Frankreich zurückkehren, könnte es aber schon einige unliebsame Berichterstattungen geben…
Als die Wellen größer wurden verloren wir uns selbst und auch die Boote aus den Augen. Wäre einer von uns gefallen und hätte es nicht geschafft das Segel wieder aus dem Wasser zu ziehen, hätten wir wohl oder übel unsere Leuchtkugeln einsetzen müssen um die Aufmerksamkeit der Boote auf uns zu ziehen, obwohl wir nie mehr als hundert Meter auseinander waren.



In dem hohen Seegang flaute der Wind oft so stark ab, so dass wir manchmal im Windloch völlig aus dem Gleiten kamen, nur um dann auf dem Gipfel einer weiteren Welle vollends die Kontrolle zu verlieren und wieder überpowert, wild beschleunigend den Berg herunter direkt in einen Trichter aus Wasserwirbeln zu schießen. Das aufgewühlte Wasser war eine einzige schmerzhafte Herausforderung, die uns dauernd wieder vereinnahmte, die die Beschleunigung stoppte, unsere Segel ständig wieder komplett überpowern lies und unsere Muskeln jenseits des Extremen beanspruchte. Oftmals fand ich mich mitten in der Luft, langsam drehend bevor ich dann mit einer erschütternden Flachlandung wieder aufsetzte; ich versuchte dies teils durch Drehungen zu kontrollieren, meine Arme brannten; oder aber ich ergab mich in mein Schicksal und ließ mich ganz einfach wieder zurück ins Meer fallen.
Die Riesentanker kreuzten stets unseren Weg und tauchten urplötzlich aus dem Nichts auf. Da wir sehr schlechte Sichtverhältnisse hatten, erschienen sie uns zuerst in großen grauen Umrissen, dann als farbige Giganten die durch die wogende See im Kanal pflügten; ihre Motoren waren sogar noch über dem ächzendem Getose des Windes zu hören.
Wir hatten sehr viele Fahrtunterbrechungen; bei einer dachte ich wirklich, dass ich es nicht mehr weiter schaffe. Antoine und ich saßen an Bord des englischen Rettungsbootes, während das französische Boot Ausschau nach unserer Ausrüstung hielt die ca. 30 Minuten lang irgendwo vor sich hertrieb. Zu dieser Zeit fühlten wir uns beide sehr seekrank, wie so ziemlich jeder auf den Booten. Ich war schwach und fühlte mich unwohl, weil ich schon so lange auf Backbord Kurs war; ich dachte wirklich ich würde es nicht schaffen. Als ich dann von dem relativ sicheren Boot wieder zurück zu meiner Ausrüstung springen sollte, Antoine befand sich bereits auf seinem und war schon dabei es wieder funktionsfähig zu machen, konnte ich mich selbst kaum dazu überwinden. Zu dem Zeitpunkt war mir kalt, ich war krank und hatte Schmerzen und Null Energie mehr übrig. Oh, und dazu kamen noch viele Krämpfe. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich sogar einen Krampf im Daumen bekam.
Einmal zeigte das GPS an, dass wir uns ca. 10 Meilen in Richtung zum Wind abseits des eigentlichen Kurses befanden. Trotz der Höllenqual in dem Schlag, in dem wir feststeckten, mussten wir zuerst näher an England herankommen, bevor irgendeine Entscheidung über einen Kurswechsel gefällt werden konnte. Also powerten wir weiter unter den gegebenen Umständen; nach einer leichten Veränderung im Seegang und wahrscheinlich auch in der Windrichtung gelangten wir endlich in britische Gewässer, kurz vor der Küste von Durleston Head westlich von Swanage Bay- ungefähr nur eine Meile windwärts von Poole, also fast ein direkter Treffer.
Wir verbrachten dann mit ganz neuer Energie ca. 45 Minuten damit, vor den Kameras nahe der alten Harry Rocks und Swanage zu posieren, wohl wissend dass wir nur noch ein paar Meilen vor uns hatten und dass uns jetzt nichts mehr aufhalten konnte.
Mit vollem Tempo landeten wir auf Sandbanks Beach, vor einer Masse an Medienleuten – das war wahrscheinlich mehr Medienaufmerksamkeit als das Windsurfen in Groß Britannien in den letzen 15 Jahre überhaupt hatte – nach 6 Stunden auf See und wahrscheinlich 5 Stunden ernsthafter Böen. In dem Moment fühlten wir uns derart glücklich, dass die Schmerzen einfach belanglos wurden.
Wir sagten wir würden es im ersten Sturm im Herbst machen, und wir haben es getan. Wir haben das Windsurfen sogar in vier BBC und vier ITV Shows ins Fernsehen gebracht; zusätzlich sehr viel Radio und lokale Berichterstattung. Am wichtigsten ist aber, dass wir über £7000 für den Ellen MacArthur Trust sammeln konnten. Dieser Fond wird das Leben vieler kranker Kinder und Familien in den kommenden Jahren verändern, er wird sie aus einem Tiefpunkt herausholen, dessen Dimensionen sich die meisten von uns nicht vorstellen können. Er wird ihnen ein besseres Leben ermöglich und ihnen ein noch größeres Hochgefühl geben als das, welches ich in dem perfektem Windsurf-Sturm erlebt habe. Danke an alle, die an den Ellen MacArthur Trust gespendet haben, unter http://www.justgiving.com/windsurf.
Links
Hier gehts zum Video (auf Französisch):
http://www.windmag.com/News/1679-exclu-traversee-de-la-manche-la-
video-officielle.html
Website von Guy Cribb: www.guycribb.com
Website der Stiftung: www.ellenmacarthurtrust.org
Website des Fundraising Projektes: www.justgiving.com/windsurf
Website von Antoine Albeau: www.antoinealbeau.com
Portrait von Antoine Albeau: http://www.worldofwindsurfing.net/en/press-lounge/stories-for-departments/people/antoine-albeau-fra.html
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