Vom Longboard zum "Hybrid-Racer"

Als Windsurfen 1984 in Los Angeles unter dem Dach des Weltsegelverbands (damals noch "International Yacht Racing Union" IYRU) erstmals als Segelklasse sein Debüt bei Olympia feierte, war dies prompt zur Hochzeit des Sportes. Gesurft wurde schon damals auf Material einer One Design Klasse. Die Sportfunktionäre entschieden sich für das Modell "Windglider" des deutschen Herstellers Fred Ostermann.

 

Der "Windglider" das erste Olympische Windsurfboard

Der "Windglider" stand von seiner Bauweise her in der Tradition der Longboards, wie man sie schon von den Anfängen des Windsurfens her kannte. Zwar hatte sich der Sport schon seit 1979 weg vom traditionellen Longboard hin zum kurzen und wendigen "Funboard" entwickelt und so die einschneidende Wende vom "Stehsegeln" zum Gleiten vollzogen, für die Olympischen Regatten stellte der "Windglider" in den Augen der Entscheidungsträger dennoch die beste Wahl dar.


Longboards bestimmten die Olympischen Regatten

Zwar kam man schon zur darauf folgenden Olympiade 1988 in Seoul der schnell fortschreitenden Weiterentwicklung im Windsurfsport mit der Festlegung eines neuen Olympia-Boards nach, doch mit der Entscheidung für den "Lechner Devision II" blieb man den langen Rennbrettern treu.

 

Erst 1996 wurde dieses Board von einem neuen Modell abgelöst. Der namhafte Hersteller Mistral hatte sein international sehr erfolgreiches Raceboard "Equipe II" weiterentwickelt und stellte mit dem "Mistral One Design" von nun an das Olympia-Equipment. Auch der "Mistral One Design" war ein Longboard, welches wie auch seine Vorgänger mit einem Schwert versehen war.

 
Ein weiteres Mal  konnte sich kein kurzes, moderneres "Shortboard-Modell" gegen das gut etablierte Longboard durchsetzten. Zwar boten schon zu dieser Zeit wesentlich kürzere Boards bessere Gleit- und Manövereigenschaften und damit spektakulärere Rennen, aber hierzu waren sie auf stärkeren Wind angewiesen. Genau das war der Knackpunkt. So entschied man sich wiederum für das "flautensichere" Longboard Modell "Mistral One Design".

 

Umdenken beim Boarddesign

Bereits seit 1996 lautete das Kredo der Boardentwickler nicht mehr wie zuvor bei den Longboards "Länge lauft" sondern "kürzer, breiter, mehr Volumen". Die so genannten Wide-Body-Boards waren geboren. Gleiten war alles, auf Schwerter wurde verzichtet, stattdessen setzte man auf besonders große Finnen als Spurhalter. Die Konstrukteure hatten das untere Windlimit im Visier, gleiten bei sechs Knoten war das Ziel. Mit der Breite der Boards und dem Tiefgang der Finnen wuchsen auch die Segelflächen auf bis zu 12,5 qm. In der Boardklasse der Formular Windsurfing stellen solche Rennflundern im Format einer Zimmertüre nach wie vor den aktuellen Standard dar.

 

Der "Mistral One Design" war unwiederbringlich veraltet und der fortschreitenden Boardentwicklung um Jahre hinter her. Nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen entschied der Weltsegelverband ISAF ein neues Boardkonzept für die Spiele 2008 in Peking zu suchen und forderte die Windsurfindustrie auf ihre Vorschläge einzubringen.

 

"Hybrid" ist das Zauberwort

Nach umfangreicher Entwicklungsarbeit, aufwendigen Sichtungen und wiederholten Überarbeitungsmaßnahmen war es am Ende ein "Hybrid-Board" (eine Mischung aus Longboard mit Schwert und breitem Formula-Racer), welches das Rennen machte. Als Allround-Board mit einen breiten Einsatzbereich soll dieses neue Boardkonzept, dass die Vorteiler beider Konstruktionsrichtungen vereint, von nun an auch bei Leichtwind für spannende Regatten bei Olympia sorgen.


Das neue Hybrid-Board trägt den Namen "RS:X" und wurde vom Hersteller Neil Pryde entwickelt, der den Einsatzbereich mit drei bis 30 Knoten angibt - Windbedingungen, die bisher bei den Olympischen Regatten anzutreffen waren. Das langjährige Windprotokoll von Qindao, dem Austragungsort der Olympischen Regatten 2008, bescheinigt durchschnittlich nur fünf bis acht Knoten Wind. Das neue Equipment musste also auch bei derartigen Leichtwindbedingungen das Potential für attraktive Wettkämpfe bieten.

 

Der Umstieg auf das früh gleitende, modernere Hybrid-Board RS:X stellt einen Meilenstein in der Entwicklung des Olympischen Windsurfens dar. Man kann also auf die Wettfahrten in Qindao gespannt sein.

 

Links

Website der RS:X Klassen-Organisation (englisch)

Infos und News des Herstellers Neil Pryde zur RS:X Klasse (englisch)

Infos des Weltsegelverbandes ISAF zur RS:X Klasse (englisch)

Infos des Internationalen Olympischen Komitees IOC zu den einzelnen Olympischen Segelklassen (englisch)

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