

Am 8. August 2008 beginnen in der chinesischen Hauptstadt Peking die XXIX. Olympischen Sommerspiele. Dort werden in insgesamt 28 verschiedenen Sportarten 302 Wettbewerbe ausgetragen, darunter auch Windsurfen als Teil der Olympischen Segelwettbewerbe, die im südöstlich von Peking gelegenen Qingdao stattfinden.
Olympische Tradition
Windsurfen ist seit 1984 (Los Angeles) bei den Männern, seit 1992 (Barcelona) bei den Frauen Olympische Disziplin. Dabei nimmt das Olympische Windsurfen eine Sonderstellung unter den Disziplinen dieser Sportart ein. Ist die Materialwahl beispielsweise bei den World Cups der Professional Windsurfers Association PWA weitestgehend unreglementiert, starten bei Olympia alle Surfer mit der exakt gleichen Ausrüstung.
Disziplinen im Windsurfen
Innerhalb des Windsurfens haben sich schon früh verschiedenen Varianten entwickelt, die sich hinsichtlich der Bewegungsabläufe und auch des hierfür benötigten Surfmaterials teilweise sehr unterscheiden. Aus diesen Varianten haben sich schnell eigene Disziplinen entwickelt, die heute auf Wettkampfniveau in voneinander getrennten Wertungen bzw. Wettbewerben stattfinden.
Zu den wichtigsten Disziplinen gehören das Wavesailing, bei dem die Surfer auf kleinen, besonders wendigen Boards mächtige Wellen abreiten, das Freestyle, wo es gilt auf Flachwasser die neuesten Tricks und Manöver mit ebenfalls wendigen, aber etwas breiteren Brettern aufs Wasser zu zaubert und das Racing, das wiederum in verschiedenen Formaten wie zum Beispiel dem Slalom oder der Formular Windsurfing ausgetragen wird.
Bei den Racing-Formaten geht es, wie auch in anderen Sportarten, naturgemäß darum unterschiedliche, festgelegte Kurse so schnell als möglich zu absolvieren. Das Speedsurfen macht hier in sofern eine Ausnahme, da es hierbei vor allen Dingen um das Erzielen von möglichst hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten auf unterschiedlichen Distanzen geht.
Da Windsurfen bei Olympia aber als eine „Segelklasse“ mit Medallien für jeweils Frauen und Männer geführt wird, musste man sich für eine Disziplin entscheiden.
Olympische Ansprüche
Traditionsgemäß ist die bei Olympia gesurfte Disziplin das Racing. Dies ist unter anderem auch dem Umstand geschuldet, dass Olympische Austragungsorte von Segelwettbewerben mit Hinblick auf die Durchführbarkeit der Wettbewerbe in allen Segelklassen im Regelfall nicht die besten Wellen- und stärksten Windbedingungen bieten. Olympische Regatten müssen während der offiziellen Wettkampftage stattfinden, Zwangspausen wegen mangelhafter Wellenbedingungen oder zu schwachem Wind würden die Olympischen Wettkampfpläne gewaltig durch einander wirbeln. Somit stellt die Disziplin Racing eine vor allen Dingen praktikable Variante des Windsurfens dar.



Olympische Sportarten müssen aber noch weiteren Ansprüchen genügen. Neben der Durchführbarkeit gehört hierzu vor allem die Chancengleichheit. Getreu dem Motto „Dabei sein ist Alles“ soll gewährleistet sein, dass auch ärmeren Nationen die Teilnahme an den Wettbewerben nicht durch zu hohe Materialkosten verwehrt bleibt.
Einen weiteren Aspekt bei der Entwicklung des Olympischen Windsurfens stellt der Umstand dar, dass Windsurfen als „Segelklasse“ unter dem Dach des Weltsegelverbandes ISAF stattfindet. Segeln wird im Wettkampfsport fast ausnahmslos in so genannten „One Design Klassen“ ausgetragen. Hierbei treten alle Teilnehmer einer Regatta mit exakt dem gleichen Material an. So soll ausgeschlossen werden, dass durch Materialveränderungen oder durch teures Hochrüsten Vorteile erlangt werden können. Vielmehr soll aber die sportliche Leistung im Mittelpunkt stehen.
Aus diesen Gründen wird auch das Olympische Windsurfen in einer One Design Klasse ausgetragen. Über die Sinnhaftigkeit einer solchen Materialstandardisierung lässt sich streiten. Windsurfer nutzen die Kraft des Windes im Vergleich zu Segelboten wesentlich effektiver. Nur deshalb ist es Windsurfern schon bei geringen Windstärken möglich über das Wasser zu gleiten.
Unterschiedlicher Körperbau und Konstitution verlangen deswegen auch nach unterschiedlichem Material. Hier geht es vorrangig um die Größe der Segel und das Volumen der Boards. Die Folge einer Festlegung auf ein bestimmtest Norm-Material (One Design) schafft vor diesem Hintergrund zwar eine gewisse Chancengleichheit, benachteiligt aber all diejenigen Athleten, die vom Körperbau her nicht den Optimalmaßen entsprechen.
Im Breitensport wird in den seltensten Fällen One Design Material eingesetzt, da man mittlerweile auch ohne hohen Kostenaufwand sein Equipment optimal auf seine individuellen Bedürfnisse und Umgebungsbedingungen abstimmen kann. Zudem kann der Welt mit der Limitierung auf die Disziplin Racing und die One Design Klasse im Rahmen der Olympischen Spiele nur ein Teilbereich des vielseitigen Windsurfsports präsentiert werden.
Daher glänzt eine Olympische Medallie in den Augen vieler Windsurfer weniger als beispielsweise bei den Leichtathleten, wo die Olympischen Normen dem weltweiten Standard im Breitensport entsprechen.
Für die Wettbewerbe der Olympischen Spiele 2008 wurde das One Design Konzept des Windsurfens grundlegend überarbeitet. Hierbei entstand ein völlig neues Boardkonzept, welches die Olympischen Wettbewerbe nachhaltig verändern wird.
Die neue Olympische Windsurfing One Design Klasse heißt "RS:X" und wurde von der traditionsreichen Hersteller Firma Neil Pryde entwickelt. Das neue Equipment soll den Olympischen Ansprüchen genügen, aber gleichzeitig den enormen Weiterentwicklungen im Surfsport Rechnung tragen und so das Olympische Windsurfen ungleich attraktiver werden lassen.
Links
Website der RS:X Klassen-Organisation (englisch)
Infos und News des Herstellers Neil Pryde zur RS:X Klasse (englisch)
Infos des Weltsegelverbandes ISAF zur RS:X Klasse (englisch)
Sie finden diesen Text zum Herunterladen in unserem Downloadbereich:
Geben Sie dort folgenden Suchbegriff ein:
"World of Windsurfing Download Olympia 2008.doc"
Bildmaterial zu diesem Thema finden Sie über unsere Fotoagentur:
Geben Sie dort folgende Suchbegriffe ein:

Karin Jaggi - Schnellste Windsurferin der Welt, 27-fache Weltmeisterin, Grande Dame des Windsurfens. Lesen Sie hier mehr.
Außergewöhnliches: Kanalüberquerung
Frauen: Sarah-Quita Offringa - Freestyle Weltmeisterin
Frauen: Karin Jaggi - schnellste Windsurferin der Welt
Portrait: Marcilio "Brawzinho" Browne
DEMNÄCHST HIER
Menschen: Wave Weltmeister Kauli Seadi (BRA)
Kinder: Kids Equipment