Surfreviere mit Adrenalingarantie

Der eigenen Leistungsfähigkeit sind im Windsurfen kaum Grenzen gesetzt. Manch heutiger Surfprofi hat auf dem Baggersee die ersten wackeligen Halsen geschafft - um Jahre später auf Hawaii haushohe Wellenberge hinab zu jagen, wo jeder kleine Fehler fatale Konsequenzen haben kann. Auch das macht die Faszination dieses Sports aus - mit jedem guten Wellenritt, neu gelernten Manöver und erstmalig gelungenen Sprung eröffnen sich neue Möglichkeiten und Perspektiven; aber auch neue Reviere, die einfach ein bestimmtes Surfniveau erfordern, um dort sicher und ungefährdet windsurfen zu können.

Nur die Besten können bestehen
Doch einige, besondere Wellen werden immer einer winzigen Elite vorbehalten bleiben. Seadi, Naish, Dunkerbeck, Polakow, Seeger nur die absoluten Topfahrer jeder Generation können in den gewaltigsten Brechern des Planeten, wie etwa in "Jaws" (zu Deutsch "der Schlund") auf Maui, bestehen. Sie verlangen den Surfern alles ab. Sie müssen genau über Windbedingungen und Wellenperioden Bescheid wissen, das Verhalten im Ernstfall verinnerlicht haben, Brett und Segel perfekt beherrschen und körperlich in Topform sein.

 

Mitunter kann es passieren, dass ein Surfer nach einem Sturz an einem der wirklich radikalen Surfplätze mehrere Minuten von einbrechenden Wellenbergen unter Wasser gedrückt wird. Dann muss die Ruhe bewahrt und Panik vermieden werden - auch wenn die Lungen brennen wie Feuer.

Strömungen, Felsen, Riffe und Riesenwellen
Verschiedene Faktoren können einen Surfspot zur ultimativen Herausforderung werden lassen: starke Strömungen, schwierige Einstiege, hohe oder besonders kraftvolle Wellen und Riffe, die unter der Wasseroberfläche lauern. Auch unkonstante Windbedingungen können, in Kombination mit den ohnehin schon vorhandenen Gefahren der Brandungswellen, die Fahrer an ihr Limit bringen.

Europas radikalste Breaks
Wenngleich jeder viel reisende Profisurfer sicher bereits den ein oder anderen unbekannten Spot entdeckt hat, der ihn an die Grenzen des Möglichen brachte, so gibt es doch ein halbes Dutzend Orte, deren Aussprache jedem eingeweihten Brettsportler eine Gänsehaut bereitet. Dazu muss man nicht unbedingt in die Ferne schweifen.

 

An die weitläufigen Strände der Bretagne, eigentlich einem beliebten Ort für Freizeitsurfer, können im Spätherbst doppelt masthohe (8-10 Meter) Brecher auflaufen, wenn der atlantische Ozean dort seine ungebremste Macht entfaltet. Der schiere Umfang der Wassermassen kann dann zur lebensbedrohenden Falle werden. Und auch Fuerteventuras Norden hat diesbezüglich einiges zu bieten: hohe, hohl brechende Wellen, die auf ein Riff donnern, machen etwa El Cotillo zu einem Platz, der die Surferspreu vom Weizen trennt. Fuerte-Local Stéphane Etienne, "rippt" zum Beispiel mit Vorliebe hier, wenn die Brandung stimmt. Wer sich dort zu langweilen beginnt und in Cotillos Wellen planscht wie andere im Nichtschwimmerbecken, sollte Europa den Rücken kehren und exotischere Gefilde ansteuern.

Die Welt ist nicht genug
Nur wenige Stunden von kanarischen Flughäfen entfernt ist der nächste Abenteuerspielplatz der härtesten Surfjungs der Welt. Punta Preta auf den Kapverden lockt mit bis zu doppelt masthohen, unglaublich kraftvollen Wellen, die auf Steine donnern. Nicht umsonst hat Wave-Guru Josh Angulo sich dort gleich häuslich eingerichtet. Der PWA Wave World Cup 2007 an diesem Ort ging als bester und radikalster Contest aller Zeiten in die Geschichte ein.

 

Ganz nett, um warm zu werden? Dann wird auch der hawaiianische Hookipa Beach Park oder die Küste Mauritius, über deren flache Riffe satte Wellen laufen, nur ein müdes Gähnen erzeugen. Es bleiben weltweit zwei Spots übrig, die nur die wenigsten Surfer je zu betreten wagen. Zum einen das hawaiianische "Jaws", im offenen Meer gelegen, wo bei Winterswell die höchsten surfbaren Wellen der Erde entstehen, so sagt man.

 

Auf 15 bis 20 Meter können sich diese Ungetüme auftürmen. Wer dagegen auf schnelle, immer noch abnormal große, steile, hohle Klopfer steht, die auf ein messerschafes Riff treffen, dessen Steine wie Glasscherben nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche schimmern, für den ist das mystische "Teahupoo" an Tahitis Küste sicher eine Reise wert. Der Wind ist hier meist schwach. Stimmen jedoch die Bedingungen zum Windsurfen, können Superstars wie Jason Polakow die zerstörerische Kraft der Welle für atemberaubende Aerials nutzen.

Hat man all diese Gefahren überwunden, kann man sich wirklich zu der Handvoll Windsurfer zählen, die alles gesehen (und überlebt) haben. Dann gilt tatsächlich: die Welt ist nicht genug.
Links

Video - Windsurfen in Jaws


From School to Cool - Camps 2012

Präsentiert von