Fitmacher Windsurfen – Ein neue Studie bestätigt dem Funsport ganz neue Qualitäten

Windsurfen ist ein Fitmacher, bei dem man scheinbar mühelos seinen Körper trainiert.
Wenn sich draußen die Bäume biegen und es durch den Fensterspalt pfeift, wird Profiwindsurfer Klaas Voget zappelig. „Ich werde dann richtig nervös und zähle die Sekunden bis ich endlich aufs Wasser kann. Da wird schon mal meine Freundin versetzt und die eine oder andere Geschwindigkeitsbegrenzung etwas großzügiger interpretiert“, sagt der 29-jährige international erfolgreiche Deutsche.

 

Klaas Voget ist top fit. Als Profisportler trainiert er hart. „In der Weltspitze kann man nicht mal eben so mitsurfen. Ich trainiere so oft es geht auf dem Wasser“, sagt Klaas. Wenn an seinen Heimspots rund um Kiel gerade Flaute ist, ergänzt er sein Training auch durch andere Sportarten, wie zum Beispiel Laufen. Dazu muss er sich allerdings schon oft aufraffen. Um die Anstrengung bei der Belastung an Land zu überwinden, muss auch der Profi seinen ganzen Willen aufbringen. „Beim Windsurfen ist das anders. Man merkt die Belastung gar nicht“, erklärt der studierte Sportwissenschaftler.

 

Wie hoch sich die Windsurfer tatsächlich belasten und welche Anstrengung sie dabei wahrnehmen, ermittelte der Wave-Profi nun im wissenschaftlichen Rahmen für seine Magisterarbeit an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Das Ergebnis: Windsurfen ist ein Fitmacher, bei dem man scheinbar mühelos seinen Körper stählt.

 

Klaas Voget untersuchte den
Fitness Faktor beim Windsurfen
Foto F. Gestemann
Der mehrfache Weltmeister Antoine Albeau mit einem Pulsgurt
Foto Klaas Voget
Klaas Voget in einer Testszene
Foto PWA / John Carter

 

Die Untersuchungen führte Voget im letzten Jahr bei zwei Worldcups der PWA-Tour der professionellen Windsurfer in Portugal und auf Gran Canaria durch. Dabei wurden die Profis sowohl beim freien Windsurftraining als auch im Wettkampf mit Pulsmessern ausgestattet und ihre Aktionen sekundengenau protokolliert. Unmittelbar nach der Belastung wurde der Laktatwert bestimmt und die Surfer schätzten ihre Anstrengung auf einer subjektiven Befindlichkeits-Skala ein.

 

Die Ergebnisse spiegelten Vogets Erwartungen wider. Bei einer durchschnittlichen Trainingseinheit von 1 ¼ Stunden lagen die Pulsfrequenzen im Mittel mit 136 Schlägen im optimalen Grundlagenausdauerbereich. Vor der Perspektive eines guten Herz-Kreislauf-Trainings bietet sich also der Windsurfsport geradezu an. Salzwasser und Sonne tragen einen weiteren Teil zum Rundum-Wohlfühlpaket Windsurfen bei.

 

Im Wettkampf dagegen ging es hoch intensiv zu. Hier wurden Spitzenwerte knapp unter 200 Schlägen erreicht. Kaum einer der Profis erzielte im freien Training so hohe Werte wie dort. Die Mittelwerte eines Wettkampflaufs mit einer Dauer von 10 bis 12 Minuten liegen über 170 Schlägen und die Laktatwerte mit 4,4 mmol/l sogar im intensiven anaeroben Bereich. Solche Werte fordern das Herz-Kreislaufsystem immens und hieven bei regelmäßigem Training die individuelle Leistungsfähigkeit schnell auf ein höheres Niveau. Es erfordert allerdings sowohl viel Erfahrung als auch einen starken Willen, gegen das bei ca. 4mmol/l Laktakt beginnende Muskelbrennen anzukämpfen.

 

Die Windsurfer trainieren unterschiedlichen Arten der Anstrengung bei den verschiedenen Disziplinen z.B. Wave, Freestyle oder einfach nur Cruisen
Fotos PWA / John Carter

Was bei Vogets Untersuchungen besonders erstaunt hat, waren in dem Zusammenhang die abgefragten Anstrengungswerte. Sowohl im freien Training als auch im Wettkampf wurde die Anstrengung wesentlich geringer eingeschätzt als sie den Pulswerten nach zu erwarten war. Im Wettkampf fühlte sich beispielwiese ein spanischer Windsurfprofi mit einem Wert von 12 wenig angestrengt. Ein Schätzwert, der bei Laboruntersuchungen im Mittel 120 Schlägen entspricht. Die Auswertung der Pulsdaten ergab jedoch, dass der Windsurf-Proband einen Durchschnittspuls von 186 Schlägen während des Heats hatte und damit absolutes Hochleistungsniveau erreichte.  

 

Dass die Anstrengung beim Windsurfen kaum wahrgenommen wird, mag zum einen an der Ablenkung durch Wind und Wellen liegen. Zum anderen auch daran, dass beim Windsurfen nahezu jeder Muskel des Körpers zum Einsatz kommt. Um auf dem Brett zu stehen und das Segel ideal in den Wind zu bringen ist eine gute Körperspannung nötig. Dadurch steigt der Gesamtenergieumsatz, obwohl kaum eine einzelne Muskelgruppe extrem stark beansprucht wird.

 

Da die Pulswerte beim freien Training nicht in den Grenzbereich wandern, sondern sich ständig zwischen 120 und maximal 170 Schlägen bewegen, lässt sich festhalten, dass Windsurfen zu den wenigen Sportarten gehört, die den Körper somit ideal und gleichzeitig ohne gefühlte Mühe trainieren.

 

Eine durchschnittliche Trainingssession der Profis betrug bei den Messungen 1 ¼ Stunden, wobei zwei Sessions am Tag die Regel sind. Nicht selten jedoch bleiben Profis wie Hobby-Windsurfer mehr als drei Stunden auf dem Wasser – des Suchtcharakters sei Dank! Hier überwiegt dann deutlich die Fettverbrennung. Kein Wunder also, dass die leidenschaftlichen Windsurfer rank und schlank aussehen. „Auf der Kanarentour esse ich wie ein Scheunendrescher und trotzdem habe ich Probleme mein Körpergewicht zu halten“, so Klaas Voget. Wenn die Profis jeden Tag Windsurfen gehen, verbrennen sie dabei so viel Energie, dass der gebürtige Ostfriese nach drei Wochen Gran Canaria immer mit ein paar Kilos weniger nach Hause kommt.

 

Klingt nach der idealen Sportart für all diejenigen, die gern etwas für ihre Gesundheit tun und dabei Spaß haben wollen!

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