

38 Jahre alt, 35 Weltmeistertitel – Björn Dunkerbeck ist definitiv ein Ausnahmetalent. Kein Athlet, egal in welcher Sportart, hat je mehr Weltmeistertitel abgeräumt als er, somit ist er der erfolgreichste Profisportler überhaupt. Doch ein großes Ziel hat Dunkerbeck noch: „Die 50 Knoten knacken, bevor es ein anderer tut.“
Masse und Klasse
Wer vor Björn Dunkerbeck steht, steht vor einem Wikinger: 1,91 groß, über 100 Kilo schwer, Hände groß wie Baggerschaufeln. Drei Tage alte Bartstoppeln, die im Sonnenlicht blitzen, blonde Haare die seine Stirn überziehen wie Wellen den Ozean. Vielleicht ist es sein Körper, der ihm die Masse an Titeln bescherte. Je stärker der Wind und je höher die Wellen, umso mehr läuft Björn zu Höchstform auf. Dann zieht er größere Segel als seine Konkurrenten auf, surft schneller und springt höher.
Vielleicht ist es aber auch sein eiserner Siegeswille, der ihn nach ganz oben katapultierte. Wenn er an einem Wettbewerb teilnimmt, dann will er auch gewinnen. Und das ist nicht nur auf dem Wasser so, egal ob Golf, Go-Kart oder Laufen – Björn Dunkerbeck will Erster sein.
Der surfende Holländer
„Dunki“, wie ihn seine Freunde und die halbe Surfwelt nennen, hat den Grundstein zum Weltenbummler schon mit in die Wiege gelegt bekommen: Niederländische Mutter, dänischer Vater. In Dänemark geboren, auf dem Pass Holländer. Auf Gran Canaria aufgewachsen, in der Welt groß geworden. Auf der Kanareninsel lebte er seit seinem sechsten Lebensjahr. Hier verbrachte er den Großteil seiner Zeit. Es ist das Hawaii Europas, wie er findet. Seine Eltern, selbst leidenschaftliche Surfer, zogen aus der Kälte Dänemarks in den immerwarmen Süden der Kanaren, um eine Surfschule zu eröffnen. Was sonst sollte aus dem blonden, kleinen Jungen werden als ein Windsurfer von Weltklasse?
Mehr als Talent
Doch um der erfolgreichste Windsurfer aller Zeiten zu werden, braucht es mehr als Talent. „Meine Mutter war selbst Vizeweltmeisterin im Windsurfen. Auch meine Schwester Britt hat eine beachtliche Sammlung an Weltmeistertiteln. Mit 16 hatte ich schon etliche Stunden auf dem Wasser trainiert. Du musst schon früh anfangen“, verrät Dunki. Seine Eltern Ulla und Eugen haben ihn unterstützt, wo es ging. Die Schule musste er dennoch beenden. 1986 surft Dunkerbeck erstmals im Weltcup mit. Ein Jahr später, gerade 17 Jahre alt, holt er in San Francisco seinen ersten Weltcupsieg. „Fuck, he did it“, soll Surflegende Robby Naish da geschrieen haben.
Erfolgreicher als Michael Schumacher
Naish sah „El niño“, dem Kleinen, wie sie Dunki damals nannten, schon in den 1980er Jahren beim Surfen vor dem Weltklasse-Revier Pozo auf Gran Canaria zu. Und ahnte, dass er da einen Konkurrenten von Format vor sich hat. Und tatsächlich, der Kleine wuchs nicht nur unaufhaltsam, sondern schaffte im Laufe der Jahre das, was vor ihm noch keiner vollbrachte: zwölffacher Weltmeister über sämtliche Surfdisziplinen (Overall-Titel) – und zwar in Folge.
Das schaffte nicht einmal Formel1-Prominenz Michael Schumacher. Dunkerbeck dominierte den Surfsport wie kein anderer und gab ihm ein Gesicht, dass die Surfwelt nie vergessen wird. Und eine Segelkennung, die sie noch lange vor Augen haben wird: E-11. Im letzten Jahr hat Dunkerbeck seinen Wohnsitz allerdings in die Schweiz verlegt, seither steht SUI-11 in seinem Segel. Sein Homespot ist nun nicht mehr Pozo auf Gran Canaria, sondern der Silvaplanasee bei St. Moritz mit seinem beständigen Thermikwind mit Namen „Maloja".
Heute, über zwanzig Jahre nach seinem Debüt als Profiwindsurfer fährt er nicht mehr jedes Rennen mit. Inzwischen kümmert er sich lieber um die beiden Kinder, die er mit Ehefrau Maria hat: Töchterchen Alba und Sohn Liam. Auf seinen Trips um den Globus begleiten ihn die Drei so oft als möglich.
Häuser auf Gran Canaria und Hawaii
Dunkerbeck konnte im Laufe der Jahre ein ansehnliches Vermögen an Sponsorengeldern und Siegprämien verdienen, sich Häuser auf Gran Canaria und Hawaii leisten – ein Zustand, den nur wenige Profisurfer erreichen. Wie viel der legendäre Werbespot für Nutella einbrachte, ist unbekannt, dass ihn dadurch jedes Kind in Deutschland kennen lernte, unumstritten.
Mit seiner Boardmarke „Proof“, die er zusammen mit Shaper Carlos Sosa und Profisurfer Orjan Jensen besitzt, hat er ebenfalls eine Einnamequelle, wenngleich er dabei auch nicht so erfolgreich, wie sein ehemaliger Erzrivale Robby Naish, der ebenfalls eine eigene Firma besitzt, ist.
Die Magie der Geschwindigkeit
Was will ein Mann, der so erfolgreich ist, noch erreichen? Die magische 50 Knoten-Grenze knacken (92,6 km/h)! Dies ist die Schallmauer beim Speedsegeln. Niemand ist bis jetzt ohne Motor derart schnell über Wasser geschossen, nicht einmal die riesigen Hightech Trimaran Rennyachten, die ebenfalls hinter diesem Rekord her sind. Einen Weltrekord über die Distanz der Nautischen Meile (1,852 Meter) konnte Dunkerbeck 2006 schon aufstellen, jetzt geht es um die Königs-Distanz, die 500 Meter.
Die Voraussetzungen für den Höchstgeschwindigkeitsritt auf dem Windsurfer erfüllt er wie kaum ein anderer: Viel Gewicht, viel Erfahrung und bestes Material. Nach ungezählten Jahren des Erfolgs zusammen mit seinem Segelsponsor, dem Branchenprimus Neil Pryde, hat Dunkerbeck für seine neuen Ziele zum ärgsten Konkurrenten North Sails gewechselt. Die Segel dieser Marke sind derzeit die erfolgreichsten im Profizirkus. Schon dreimal in Folge konnte North Sails die Konstrukteursweltmeisterschaft für sich entscheiden. Nun muss Dunkerbeck vor allem noch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
1000 Flugstunden
Aber auch in die Brecher vor Pozo zieht es ihn immer noch. Seinen Fans sind dann filmreife Sprünge sicher. „Hier hab ich schon mindestens 1000 Flugstunden absolviert“, verkündet ein breites Weltmeistergrinsen. Gewonnen hat Björn Dunkerbeck hier oft: „Mindestens zehn mal. Genau weiß ich das gar nicht.“
Gemütlicher lässt er es bei seinem Projekt „The Search“ angehen. Da geht Björn mit Freunden auf monatelange Entdeckungsreisen. Fidji, Bali, Sumatra, Kaulapapa sind nur einige seiner Traumstationen. „Es ist schon witzig, wenn du der Erste bist, der dort surft.“ Die Trips werden auf Film dokumentiert – eine weitere Einnahmequelle.
Party, Rockmusik und Riesensteaks
Um sich fit für die Wettkämpfe zu halten, steigt Dunkerbeck fast täglich aufs Surfbrett. Wenn Wind und Welle das nicht zulassen, fährt er Mountainbike oder stemmt Gewichte. Nach spätestens drei Tagen ohne Windsurfen wird er ungnädig.
Doch Björn ist auch für seine ausdauernde Partylaune bekannt, seine Vorliebe für Rockmusik und überdimensionale Steaks. Obwohl er die Schulbank nicht sonderlich lange drückte, spricht der gebürtige Däne sieben Sprachen – das Resultat jahrelanger Reisen rund um den Globus.
Wie er sich nach all den Jahren und Erfolgen die Freude am Windsurfen erhalten hat? „Es ist das Lebensgefühl, die Endorphine, das Adrenalin“, sagt er. Wenn Björn aus dem Wasser kommt, kann man in seinem Gesicht Geschichten lesen. Scheinbar unablässig spiegelt sich das Blau der Weltmeere in seinen Augen, berichtet von den Traumstränden dieser Erde. Und das, obwohl er im Laufe der Jahre schon zwölfmal um die Erde gesurft ist, wie Björn ausgerechnet hat.
Wenn es ums Gewinnen geht, hat Dunkerbeck einen Killer-Instinkt:
12 x PWA Gesamt Weltmeister (1988–1999)
12 x PWA Race Weltmeister (1988–1999)
7 x PWA Wave Weltmeister (1990, 1992, 1993, 1994, 1995, 1999, 2001)
1 x PWA Freestyle Weltmeister (1998)
1 x PWA Speed Weltmeister (1994)
1 x PWA Slalom Weltmeister (2005) – gemeinsam mit Micah Buzianis
1 x ISA Speed Weltmeister (2005)
2006: Bestzeit auf die nautische Meile mit 41,14 Knoten/76,19 km/h
2007: Bestzeit Fehmarn-Rund 2 Stunden, 54 Minuten
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Website von Björn Dunkerbeck
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