Weltcup-Siegerin Karin Jaggi im Profil

Die Schweizerin, die die Berge gegen den Ozean tauschte


„Eigentlich bin ich am falschen Ort geboren, um Windsurferin zu werden“, meint Karin Jaggi. Als gebürtige Schweizerin gab es in ihrer nahen Umgebung nicht viel Wind und noch weniger große Gewässer. Doch nachdem sie im Alter von 16 Jahren das erste mal in einem heimatlichen See auf dem Brett stand, war für sie klar: ich werde Windsurferin.


Und so begann ein langer Weg, der mit einem Job als Surflehrerin in der Schweiz begann und jetzt seinen momentanen Höhepunkt in 15 PWA-Weltmeister- und 10 IFCA Weltmeister-Titeln findet. Dieser 15. PWA-Titel gelang Karin erst unlängst: im September 2010 sicherte sie sich die Krone des Gesamt-Welt Cup Sieges im Finale des PWA Slalom Weltcups in Almanarre in Frankreich. Beim ersten reinen Frauen-Wettkampf musste sich Karin Jaggi zwar von ihrer Dauerkonkurrentin Valérie Arrighetti (verh. Ghibaudo) schlagen lassen und belegte ‚nur‘ den zweiten Rang. Dennoch reichte dieses Ergebnis zusammen mit den hervorragenden Leistungen der früheren Rennen aus, um den 15. Weltmeistertitel in der renommiertesten Serie des internationalen Profi-Windsurfsports zu erlangen.


Wir haben Sie zu diesem Sieg und zu ihren Plänen für die Zukunft befragt.

 

Die Schweizerin Karin Jaggi
Foto Karin Jaggi
Karin fährt der Konkurrenz davon
PWA / John Carter

Karins Erfolgsgeheimnis


Karin, Gratulation zum Sieg in Almanarre. Wie fühlt man sich als 15-fache PWA Weltmeisterin?

Ich freue mich extrem über diesen Titel, weil es für mich eher eine schwierige Saison war. Unmittelbar vor dem Saisonstart entzündete sich mein Ellbogen (Diangnose: Tennisellbogen) und ich bin mit denkbar wenig Vorbereitung in den Worldcup gestartet. Danach habe ich zwischen den Wettkämpfen versucht, möglichst wenig zu machen – so dass ich zum Schluss wirklich fast nur an Events auf dem Wasser war. Dass es doch noch zum Titel gereicht hat, ist sicher auch auf mein perfektes Material zurückzuführen. Dieses Jahr passte einfach alles!


Mit Deinen 15 PWA- und 10 IFCA-Titeln bist Du die erfolgreichste Frau des professionellen Windsurfens. Bitte verrate uns Dein Erfolgsgeheimnis!

Lange dabei sein! ;-)

Das hat mir Robby Naish einmal gesagt und es stimmt natürlich wirklich irgendwie. Dazu kommt, dass ich in meiner Karriere in allen Disziplinen am Start war. Und zum Schluss ist es schlichtweg ein starker Wille, aber auch Freude am Sport. Ich glaube, das ist das allerwichtigste!


Hast Du mit dem aktuellen Titel gerechnet?

Jein – wie gesagt, der Saisonstart mit meiner Verletzung war erst mal denkbar schlecht – doch dann habe ich gleich den ersten Worldcup gewonnen. Da hab ich dann schon gedacht, dass ich das wieder packen kann.

 

Foto PWA / John Carter

Die Faszination des Windsurfens


Hast Du einen Lieblings-Surfspot?

Westaustralien – da passt einfach alles: freundliche Leute, eine richtige Surfkultur und endlos viele, sehr gute Windsurfspots. Aber mir gefallen eigentlich viele Orte. Unser jährliches Worldcup Abenteuer auf Sylt möchte ich wirklich nicht verpassen. Wenn die Nordsee sich wieder mal von ihrer rauhen Seite zeigt, ist dies beeindruckender als manch perfekter, exotischer Windsurfspot.


Was würdest Du jungen Menschen raten, die professionell windsurfen wollen?

Es einfach zu versuchen. Es stimmt, dass das Profileben ein „Überlebenskampf“ ist – aber wo ist das heute nicht so? Business Klasse um die Welt jetten, jeden Tag surfen gehen und Abends ein bisschen abhängen sind nicht die Realität. Sie ist viel besser – man muss sich sein eigenes 1-Mann-Unternehmen schaffen, das in diesen turbulenten Zeiten immer erfolgreich auf Kurs bleiben kann. Erreichen kann das jeder – der Wille und Ausdauer hat. Bei mir haben auch alle gelächelt, als ich gesagt habe: ‚ich werde jetzt Windsurfprofi...’


Was fasziniert dich persönlich am meisten an diesem Sport?

Das Naturerlebnis. Große Wellen haben einfach eine unglaubliche Faszination. Aber auch schon ein kalter Weststurm zeigt dir, wo deine Grenzen sind!


Wo siehst Du Dich selbst in zehn Jahren?

Bestimmt nicht mehr auf Worldtour – aber ganz bestimmt noch auf dem Wasser! Ich kann mir ein Leben ohne Windsurfen wirklich nicht vorstellen.

 

Fotos PWA / John Carter

Weiterführende Informationen


Karins Profil auf der Windgirls-Website: http://www.windgirls.com/karinjaggi.html

Karins eigene Seite: www.karinjaggi.com


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